Das Aldusblatt und seine Folgen

8. April 2017

Warum begann ich überhaupt mit dem Buchwörterbuch? Als ich vor neun Jahren das Handbuch des Verbandes deutscher Antiquare durchblätterte, traf ich auf Michael Trenkles „Fachbegriffe im Antiquariat. Ein Glossar“, und dort unter „Alinea, Alineazeichen“ auf die bemerkenswerte Passage: „In der Frührenaissance war ein Zeichen in der Form eines Blatts (das Aldus-Blatt, nach Aldus Manutius d. Ä. 1449-1515) beliebt.“
    Dieser kritiklos übernommene Unfug hat sich bis in die neueste Auflage retten können. Nicht, daß ich nun annehme, mein Buchwörterbuch sei fehlerfrei, es ist bei einer solchen Vielzahl von Einträgen beinah unmöglich, stets auf dem Stand der Forschung zu sein, nein, die Tatsache, daß Fehlinformationen jahrelang weitergeschleppt wurden, hat mich inspiriert, es selbst zu versuchen.
    Doch falls Trost darin zu finden sein sollte, die deutsche Wikipedia fällt auch darauf herein: „Das Aldusblatt ist eine Ornamentform, welche nach dem italienischen Buchdrucker und Verleger Aldus Manutius benannt ist. Dieser verwendete das herzförmige Blatt als Schmuck in seinen Büchern.“ Und: „Bereits in frühgriechischen Inschriften ist das Aldusblatt zu finden. In der Frührenaissance wird es als Alineazeichen, als Einleitungszeichen für einen Absatz verwendet. Durch seine häufige Verwendung bei Aldus Manutius fand es im 16. Jahrhundert eine noch größere Verbreitung als Schlussstück für eine Textpassage oder zur Zierde von Titelblättern.“
    Hofft man nun auf einen Beleg in Gestalt eines Bildes aus einer Aldine, so hofft man vergebens. Zur Illustration dienen nur andere Textseiten: Cuningham: „The Cosmographical Grasse“. London 1559, und „Huldigung auf Adam von Dobschütz“, Historischer Druck um 1600. Sehr luzid. Díe französische Wikiseite ist kaum besser, die englische verwendet lieber den Begriff „Fleuron“, so auch die russische „Флерон“.
    Welche Zeichen verwandte Aldus zum Schmuck seiner Seiten außer Initialen und Zierleisten?
    Alineas in Pseudo-Cicero: Synonyma, 1497/1498, GW 07036; in seinem ersten Katalog von 1498, GW Einbl. 897; im Katalog von 1503, Renouard 39,2 und pp. 332-336; in Bessarion, 1503, Renouard 40,5; Perottus, 1513, Renouard 63,6.
    Sternchen in Nicolaus Perottus: Cornucopiae lat. linguae, 1499, GW M31090; Hieronimus Amaseus: Vaticinium, 1499, GW 1596; in der Hypnerotomachia, GW 7223 (gerade hier wären doch zarte Blättlein, wenn vorhanden, dem Text angemessen gewesen – oder?); Catarina da Siena: Epistole, GW 6222.
    Einer ebenfalls gewagten Hypothese, das Blättlein sei auf den Aldinischen Einbänden verwandt worden, sei nur entgegnet: Es gab sie nicht, die Aldinischen Originaleinbände, auch wenn Hans Loubier in „Der Bucheinband von seinen Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts“ (2. Aufl., Leipzig, 1926) auf Seite 153 von „Arabesken, die in Delphine auslaufen“ träumt und „goldene Lindenblättchen, die sogenannten Aldus-Blätter“ auf solchen Originaleinbänden zu erblicken vermeint.
    Erwartungsvoll in Aussicht auf einen Beleg, der mich eines Besseren belehrt und doch noch ein paar gedruckte Aldus-Blätter bei Aldus dem Älteren nachweist …
    Doch derweil begnüge ich mich mit der erstaunlichen Langlebigkeit eines Fakes, wie man dies heutzutage nennt.

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Der Antiquar

25. Februar 2017

Heute erst fiel mir beim Durchblättern der auf meinem Computer gespeicherten Bilder auf, daß dem Buchwörterbuch ein Artikel über den Antiquar fehlt. Gedacht, getan. Wer den Beitrag zu bös findet, der darf sich gern mit seiner Gegenstimme bei mir melden.


Buchwörterbuch

7. Februar 2017

Das Buchwörterbuch hat in den letzten Wochen zahlreiche neue Einträge bekommen, alte wurden überarbeitet.

Nachtrag, 24. Februar:
Inzwischen ist das Buchwörterbuch weiter gewachsen, es sind nun 230 Artikel zu Themen rund um das Buch, seine Produzenten, Binder und Künstler. Ein Inhaltsverzeichnis mit Links auf die Einträge ist vorangestellt:

Inhalt: A | Abbreviaturen | Abfärben | Ad usum Delphini | Aldus Pius Manutius | Alinea | Anagramm | Anastatischer Druck | Annotationen | Anonym | Anthologie | Antiqua | Asianismus | Auflage | Auktionator | Ausgabe letzter Hand | Autograph | B | Bauchbinde | Berieben | Beschabt | Beschädigungen | Bestoßen | Bibliographien | Blattweiser | Blindprägung | Boustrophedon | Bowdlerize | Brokatpapier | Bronzefirnispapier | Broschur | Brotschrift | Bu | Buch | Buchbinder | Buchdruck | Buchillustration | Bücherwurm | Buchfluch | Bünde | Bünde, eingesägte | Bünde, unechte | Buntpapier | Büttenpapier | C | Chagrinleder | Thomas James Cobden-Sanderson | Codex | Chromolithographie | D | Dekadenzdichtung | Deus ex machina | Diacritica | Doublette | Doublüre | Duodecimo | Durchgezogene Bünde | E | Editio princeps | Einbandbestimmung | Einbanddecke | Einbandkunst | Emblem | Ephemera | Errata | Erste Ausgabe | Eselsohr | Essay | Exlibris | Expressionismus | F | Fächereinband | Faksimile | Falz | Falzbein | Fitzbund | Fleural | Folio | Fore-edge Painting | Formate | Fraktur | Frontispiz | G | Gebrauchspuren | Gegenmarke | Gepunzter oder ziselierter Schnitt | Gestaucht | Getrüffelt | Goldschnitt | Griechische Drucke | Grimoire | Jean Grolier | Grotesk | Groteske | Guilloche | H | Handbibliothek | Handeinband | Heftfaden | Heftlade | Heliogravüre | Holzmodel | Holzschnitt | Hypnerotomachia Poliphili | I | Imprese | Impressum | Incipit | Initiale | Inkunabel | Interimseinband | J | Japanpapier | Jesuitendrama | Jugendstil, Art nouveau & Art déco | K | Kalligraphie | Kapitale, handgestochene | Käppchen | Karton | Katalog | Kattunpapier | Klebebindung | Kleisterpapier | Kollation | Kolophon | Konvolut | Kopert | Kupferstich | Kurrentschrift | Kustode | Ernst Kyriss | L | Lagensignaturen | Laufrichtung | Leder | Lederschnitt | Leporello | Lichtdruck | Ligatur | Limitierte Auflage | Lithographie | Livre d’artiste | Livre d’heures | M | Makulatur | Manierismus | Marginalien | Tammaro De Marinis | Marmorpapier | Miniaturbücher | Modernes Antiquariat | William Morris | Musenalmanach | N | Nekrolog | Notation | Numberline | O | Octavo | Offsetdruck | Originaleinband | P | Paginierung | Palimpsest | Pamphlet | Papyrus | Pappband | Perlschrift | Pergament | Jean Picard | Plagiat | Plattenrand | Pochoir | Pressendrucke | Privatdruck | Privileg | Provenienz | Pseudonym | Q | Quarto | Quodlibet | R | Rara | Raster | Raubdruck | Rauschel | Recto | Reglieren | Remboîtage | Restaurieren | Rocaille | Rubrizieren | S | Sammeln | Satire | Sedecimo | Serifen | Signet | Spaltensatz | Spatium | Supralibros | Sütterlin | Sch | Schablone | Schließe | François-Louis Schmied | Schnitt | Scholastik | Schriftrolle | Schrotgrund, Schrotschnitt | Schuber | Schutzumschlag | Schwarze Romantik | Schwarzer Humor | St | Stahlstich | Stammbuchblatt | Steganographie | Stege | Stempel | Stenographie | Stereotypie | Stockflecken | Stöbern | T | Taschenbuch | Tintenfraß | Titelauflage | Titelrahmen, Titelumrahmung | Typographie | U | Unbeschnitten | Unbeschnitten und unaufgeschnitten | Utopie | V | Vélinpapier | Verbunden | Versalien | Verso | Vignette | Vorsatz | Vorzugsausgabe | W | Wasserzeichen | Wert | Widmungsexemplar | X | Xerographie | Xylograph | Y | Ὑπατία | Z | Zeitrechnung | Zensur | Ziegenleder | Zitieren | Zustandsbeschreibung | Zwischentitel


Buchhamster

1. September 2016

Die Regierung riet zu Hamsterkäufen. Nun, lassen wir die Frage nach Grund und Ursache solch plötzlicher Aktivität in zuvor unvermuteter Richtung fort, so bleibt für den Bürger ein Aufruf zur Vorsorge, der ziemlich zeitlos ist. Wie meinte das Sprichwort: „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“.
    Nehmen wir an, Sie, werter Leser, hätten also den Aufruf artig, wie es ein anständiger deutscher Bürger zu sein beliebt, befolgt und einen Vorrat des Lebensnotwendigen eingekauft, also genügend Schnaps, um die in einer Krise unumgänglichen Erfolgsmeldungen der zuständigen katastrophalen Amtsstellen auszuhalten, ein paar haltbare Lebensmittel, die nicht auf den Kühlschrank angewiesen sind, Kerzen, um in der trüben Dunkelheit auszuharren u.s.w.
    Nun stellen Sie sich vor, Sie sitzen tagelang in den heimischen Gemächern, da Ausgangssperre herrscht, draußen sich eh nur unzuverlässige Elemente herumtreiben, harren nächtelang im Sessel, dann im Bett aus – was tun Sie?
    Genau! Denken Sie an die müßigen Stunden und Tage, hamstern Sie Bücher!


Mitteilungen vom Mars

19. Juni 2016

Bisweilen kommt mir manches derart unwirklich vor, daß ich meine, Fremde vom Mars, hiesiger Gesetze und Gebräuche unkundig, hätten es geschrieben. Solch ein Zufallsfund heute früh auf einer Plattform: „Gebrauchte Bücher sind vom Umtausch ausgeschlossen.“
    Sehr geehrte Marsmännchen oder -weibchen, wollen Sie mit diesem Satz das Widerrufsrecht aushebeln, dann ist er abmahnfähig, denn selbst Marsmännchen oder -weibchen ist dies nicht gestattet, so lange sie auf der Erde verweilen und hier in Deutschland Bücher anbieten.


Beharrungsvermögen

17. Juni 2016

Ein schönes Beispiel für das Beharrungsvermögen bei der Rezeption unseres Gewerbes ist diese Umfrage des Börsenblattes, die nur einen Status quo abfragt, ohne einzubeziehen, daß dies bereits eine Festlegung bedeutet und die Abhängigkeit der Antiquare von Plattformen als gegeben hinnimmt und fortschreibt.
    Aber Ideen waren beim Börsenblatt, Abt. Antiquariat bislang stets spärlich gesät.

Umfrage1

Umfrage2

Umfrage3


Antiquiert

16. Juni 2016

Immer wieder merkt man, unser Gewerbe ist nicht nur antiquarisch, sondern antiquiert. Manchmal an Kleinigkeiten, wie zum Beispiel dieser: „javascript:window.sidebar.addPanel“.
    Zum einen galt dies nur für Mozilla Firefox (und, wenn man älteren Berichten trauen darf, für überholte Versionen des IE): „Non-standard This feature is non-standard and is not on a standards track. Do not use it on production sites facing the Web: it will not work for every user. There may also be large incompatibilities between implementations and the behavior may change in the future. (…) Mozilla-specific. Not part of any standard.”
    Zum anderen funktioniert ‚addPanel’ seit geraumer Zeit selbst in Firefox nicht mehr: „Obsolete since Gecko 23”.


Gemeinschaftskatalog der GIAQ

2. Juni 2016

Heute flatterte nun der gedruckte Gemeinschaftskatalog der GIAQ in den Briefkasten. Bei einem per Post versandten Katalog würde ich davon ausgehen, daß es sich um Fernabsatz handelt. Also sollten die → entsprechenden gesetzlichen Bedingungen erfüllt sein.
    Sehen wir dies hier? Insbesondere Art. 246a § 1 (1) 4., 8., & (2)?
Selbst die erleichterten Informationspflichten sehen noch die Angabe eines Gesamtpreises vor, wobei eine begrenzte Darstellungsmöglichkeit bei einem so dicken, ausführlichen Katalog wohl nicht vorliegen dürfte.
    Anmerkung zur Sache: Ein Personenregister ist brauchbar, ein Sachregister wäre nötig.


Online-Gemeinschaftskataloge – Überlegungen

13. Mai 2016

Online-Gemeinschaftskataloge sollten jeweils einem Thema gewidmet sein. Aus dieser Beschränkung ergeben sich zum einen inhaltliche Tiefe, die durch einen Einführungstext ergänzt werden sollte, der die im Katalog dargebotenen Werke in inneren Zusammenhang stellt und sie im Gesamtgebiet der Bibliophile verortet, zum anderen mäßiger Umfang, der dem weniger konzentrierten Lesen am Bildschirm gerecht wird.
    Trotzdem sollte für den eiligen Sucher ein Schlagwortindex zur Verfügung stehen, durch den die verschiedenen Aspekte des Themas aufgezeigt werden.
    Andere Punkte: Ihre Laufzeit sollte auf maximal zwei Wochen begrenzt werden; das PDF-Format ist unzureichend, da es zu wenig flexibel ist und nicht den Möglichkeiten des Internets entspricht, sondern eher dessen virtuelle Papierversion ist; Verkauftes sollte abgestrichen oder als solches gekennzeichnet werden; die Einträge sollten ausreichend bebildert werden; die Darstellung der Einträge sollte übersichtlich gestaltet werden.
    Angenommen von 50 Teilnehmern würde mehr als je ein Buch eingestellt, so könnte überlegt werden, ob nicht Kurzfassungen der Titelaufnahmen einen besseren Überblick böten. Auf Klicken könnten sie sich auf die volle Darstellung erweitern.
    Für die jeweiligen Vorworte sollten Fachleute gewonnen werden, gleich ob aus dem Kreis der Antiquare, Bibliophilen oder Wissenschaftler.
    Wie bereits mehrmals hier geschrieben: Es gilt, Neueinsteigern das Sammeln schmackhaft zu machen, alten Hasen ein paar Verlockungen unter die Nasen zu halten, denen sie bislang noch nicht erlagen.


50 online – eine Rezension

5. Mai 2016

    1.1 Der Katalog als Verkaufsmedium
    Welches ist die Aufgabe eines Antiquariatskataloges? Diese Frage ist einfach zu beantworten: Wie bekommt man potentielle Kunden dazu, etwas zu kaufen, das sie bereits seit langem zu kennen glauben, aber so noch nie gesehen haben?
    Bücher gehören noch immer zu den alltäglichsten Gegenständen, jeder Mensch hat mindestens ein oder zwei davon bereits in der Hand gehabt und weiß in etwa, was ihn nach dem Aufschlagen erwartet. Also muß das Interesse für jene speziellen Bücher geweckt werden, die im Angebot sind: durch Angelwörter in den Beschreibungen, interessante Bilder, durch die Kataloggestaltung. Entweder findet der Katalogleser etwas, das er lange gesucht hat, oder er wird von Neuem überrascht. Im ersten Fall hilft eine Suchfunktion, im zweiten blättern und stöbern, dies zweifelsohne die interessantere, tiefergehende Beschäftigung.

    1.2 „50 online“
    Das reichhaltige und fast durchweg qualitätsvolle Angebot des ersten Gemeinschaftskatalog „50 online“ bietet einen guten Überblick der deutschen Antiquariatslandschaft, soweit sie noch nicht in den Niederungen der Megaplattformen versunken ist. Die Beschreibungen liegen oberhalb des dort gewohnten Niveaus. Positiv hervorzuheben gleichfalls, daß den rechtlichen Bedingungen des Fernabsatzes, soweit ich es zu überschauen vermag, im PDF Genüge getan wurde; ein Punkt, der bei manch anderem Katalog leider zu kritisieren wäre.
    Der → Katalog liegt in zwei Formaten vor, einmal als PDF, das online betrachtet oder auf der heimischen Festplatte gespeichert werden kann, zum anderen als Html-Version auf der Webseite des Anbieters. Ich bespreche sie nacheinander und bitte im voraus, ein bißchen Fachchinesisch zu entschuldigen.

    2 Der PDF-Katalog
    2.1 Technisches
    Wenn alles klappt, kann dieses Kapitel überschlagen werden.
    Firefox öffnet PDF-Dateien standardmäßig im Acrobat Reader. Sie können Ihre Einstellungen → überprüfen und ändern.
    Der Internetexplorer richtet sich nach den Systemeinstellungen. Diese werden verändert über Menüleiste – Extras – Internetoptionen – Karteikarte Programme – Internetprogramme – Programme festlegen – neues Fenster öffnet sich – Dateityp oder Protokoll einem Programm zuordnen – herunterscrollen bis pdf.
    Webkit-Browser (i.e. Chrome, Opera &c) verwenden den eigenen Chrome-PDF-Viewer. Sie können diesen deaktivieren: Chrome – neuen Tab – in die Adreßzeile eingeben: chrome:plugins – Chrome PDF Viewer – deaktivieren. Beim nächsten Aufruf eines PDF erscheint dann unten im Browserfenster eine kleine Nachricht, an deren rechtem Rand sich ein Dreieck befindet, mit dem sie Ihre gewünschten Einstellungen tätigen. Nach Klick auf den Namen der Datei öffnet sich der Acrobat Reader, so er in Ihren Systemeinstellungen als Standardprogramm für diese Art von Dateien festgelegt wurde. Danach, beim nächsten PDF geht es automatisch.
    Grundsätzlich empfiehlt es sich, schon weil der geneigte Leser sicherlich die zahlreichen Seiten mit ihren interessanten Angeboten nicht in einem Zug studieren möchte, die Datei herunterzuladen, zu speichern und mit dem Acrobat Reader oder einem ähnlichen Programm zu öffnen.
    Der → Acrobat Reader in seiner neuen Version zeigt stets eine rechte Spalte mit Angeboten wie „PDF-Datei exportieren“ u.s.w. Ich blende sie, weil überflüssig, aus mittels des kleinen Dreiecks rechts neben der Laufschiene der Hauptspalte. Dann wird auch das Schriftbild größer und lesbarer. Falls die Lesezeichen, i.e. das Register mit den Antiquariaten, einmal verschwinden sollten, lassen sie sich mit dem dazugehörigen Symbol, dem zweiten von oben in der schmalen Spalte links außen, wiederherstellen.

    2.2 Vor- und Nachteile dieses Formates
    Zuerst die Vorteile des PDF-Formates: die Navigation innerhalb des Kataloges ist mittels der linken Leiste, welche die Aussteller aufführt, einfach. Suchen läßt sich mit der Suchfunktion des Acrobat Readers (Menü: Bearbeiten – Suchen, oder einfach Strg + f) nach jedem beliebigen Wort innerhalb des Gesamttextes. Soweit Links zu vollständigen Bucheinträgen oder Sachgebieten hinzugefügt wurden, lassen sich diese per Klick einfach im Browser aufrufen. Leider haben nicht alle Teilnehmer davon Gebrauch gemacht; gerade in Zeiten der Marktbeherrschung durch internationale Konzerne sollte der Antiquar Wert darauf legen, sein Geschäft eigenständig zu repräsentieren.
    Die Bildqualität in einem PDF ist leider nicht optimal, weil darauf geachtet werden muß, daß die Datei auch bei langsamen Verbindungen in noch angemessener Zeit heruntergeladen werden kann. Vorzug einer guten Html-Lösung – neben einer responsiven Seitengestaltung – wäre, daß in die Gesamtdatei kleine Vorschaubilder eingebunden werden, deren große Entsprechungen erst nach einer Reaktion des Betrachters geladen werden. Ein weiterer Nachteil solcher PDF-Kataloge ist die Beschränkung auf wenige Bilder, zum einem aus obigem Grund, zum anderen des Platzes wegen. So sind sie zwar Ersatz des gedruckten Kataloges, aber kaum Fortschritt in Bezug auf die Vielzahl von Möglichkeiten, die das Internet bietet.
    Bei der Gestaltung des Kataloges sollte zukünftig bedacht werden, daß zu lange Zeilen schwer zu verfolgen sind; die Schriftgröße der Kommentare neigt bereits in den gedruckten Messekatalogen dazu, ins Unscheinbare abzugleiten; beim PDF läßt sie sich zumindest vergrößern; allzu kleine Schriften scheitern eh an der Bildschirmauflösung, nicht nur an den Augen älterer Leser. Hervorzuheben ist, daß beim vorliegenden Katalog nicht zwei (Druck-) Seiten nebeneinander liegen wie bei den PDFs der bisherigen Messekataloge, sondern immer nur eine, was die Lesbarkeit auch auf kleineren Bildschirmformaten stark verbessert.

    3 Der Html-Katalog
    Die Eingangseite zeigt eine Vielzahl kleiner Bilder, deren Zeilen, da das Webdesign nicht responsiv ist, bei kleineren Bildschirmformaten rechts abgeschnitten werden. Hier sollte nachgebessert werden; eine Tabelle (table) und Tabellenzeilen (tr) zu verwenden, ist anachronistisch und unflexibel.
    Diese Überzahl ist eher verwirrend als animierend. Es ist mir wenig einsichtig, warum ein Besucher auf Bilder klicken sollte, die dermaßen klein sind, daß ihre Aussagekraft gegen Null tendiert. Bei den heutigen Möglichkeiten sollten sie, wenn sich der Mauszeiger darüber bewegt, wenigstens vergrößert werden.
    Das Sachregister ist nützlich, die meisten angebotenen Werke sind mehreren Kategorien zugeordnet, was das Stöbern erleichtert. Noch besser wäre es, hätten den einzelnen Einträgen in diesen Sachlisten jene unter „Aus Kapitel“ befindlichen Verweise auf weitere Gebiete hinzugefügt werden können, die sich jedoch nur bei den einzelnen Händlern unter ihren Büchern befinden, wohl um von diesem Antiquar wegzulocken.
    Die Suchfunktion ist einfach und hinreichend, eine Volltextsuche.
    Warum sich, klickt der Leser auf das kleine „mehr“ am Ende des gekürzten Eintrages ein neues Minifenster, das von der Textfülle quasi erschlagen wird, öffnet, ist mir wenig einsichtig. Noch unverständlicher ist, warum sich Minibilder in diesem Minifenster nach Daraufklicken in eben diesem öffnen, das jedoch nur die Option „schließen“ bereitstellt, kein „Zurück zur Beschreibung“. Klickt der Benutzer neben das Fenster, was bei der Größe nicht unbedingt schwerfällt, ist es sofort weg, und er darf den Versuch von neuem starten. Auch sollte sich das Fenster – wenn schon nicht dem Textumfang – wenigstens der Bildgröße anpassen, damit scrollen fortfällt; ein wenig Javascript würde hier schnell Abhilfe schaffen.
    Ein weiterer Nachteil des Html-Kataloges ist, daß die manchen Bucheinträgen beigegebenen Links hier nicht anklickbar, sondern nur kopierbar sind. Links sind eine Grundfunktion des Internets: ohne sie kein Netz.
    Die verwendeten Schriften sind ohne Grund unterschiedlich. Suchergebnisse werden in einer Festbreitenschrift dargestellt, anderes in serifenloser Proportionalschrift („verdana, arial, georgia, sans-serif“).
    Während die den Fernabsatz betreffenden rechtlichen Vorschriften im PDF berücksichtigt sind, habe ich dergleichen im Html-Katalog vermißt.
    Der Html-Katalog präsentiert sich also als nutzbar, aber in seinen Einzelheiten zu wenig durchdacht. Warum die Seiten immer noch → Frames verwenden, scheint mir nur noch vom antiquarischen Standpunkt aus nachvollziehbar.

    4. Resümee
    Zu einer Zeit, in der Sammeln und ein wohlgefüllter heimischer Bücherschrank nicht mehr selbstverständlich sind, sollte jeder gemeinsame Katalog mehrerer Antiquare (wie jede Homepage eines Antiquariats) auch ein Anreiz, ein Anleitung sein, damit zu beginnen. Gerade in solch einer Vielfalt des Angebotes gilt es, jene Wege, Leitgedanken und Perspektiven aufzuzeigen, durch die sich suchender Blick wie abwägende Erfahrung zu vertiefen vermögen.
    So läßt sich sagen: Gleich ob der Gemeinschaftskatalog „50 online“ für alle Beteiligten ein geschäftlicher Erfolg wird oder nicht, er ist auf jeden Fall eine gute Werbung für die teilnehmenden Antiquariate und, soweit verfügbar, deren Homepages. Hoffen wir, daß einige unserer Kunden ihr lang Gesuchtes finden, andere sich überraschen lassen werden.