Mitteilungen vom Mars

19. Juni 2016

Bisweilen kommt mir manches derart unwirklich vor, daß ich meine, Fremde vom Mars, hiesiger Gesetze und Gebräuche unkundig, hätten es geschrieben. Solch ein Zufallsfund heute früh auf einer Plattform: „Gebrauchte Bücher sind vom Umtausch ausgeschlossen.“
    Sehr geehrte Marsmännchen oder -weibchen, wollen Sie mit diesem Satz das Widerrufsrecht aushebeln, dann ist er abmahnfähig, denn selbst Marsmännchen oder -weibchen ist dies nicht gestattet, so lange sie auf der Erde verweilen und hier in Deutschland Bücher anbieten.


Beharrungsvermögen

17. Juni 2016

Ein schönes Beispiel für das Beharrungsvermögen bei der Rezeption unseres Gewerbes ist diese Umfrage des Börsenblattes, die nur einen Status quo abfragt, ohne einzubeziehen, daß dies bereits eine Festlegung bedeutet und die Abhängigkeit der Antiquare von Plattformen als gegeben hinnimmt und fortschreibt.
    Aber Ideen waren beim Börsenblatt, Abt. Antiquariat bislang stets spärlich gesät.

Umfrage1

Umfrage2

Umfrage3


Antiquiert

16. Juni 2016

Immer wieder merkt man, unser Gewerbe ist nicht nur antiquarisch, sondern antiquiert. Manchmal an Kleinigkeiten, wie zum Beispiel dieser: „javascript:window.sidebar.addPanel“.
    Zum einen galt dies nur für Mozilla Firefox (und, wenn man älteren Berichten trauen darf, für überholte Versionen des IE): „Non-standard This feature is non-standard and is not on a standards track. Do not use it on production sites facing the Web: it will not work for every user. There may also be large incompatibilities between implementations and the behavior may change in the future. (…) Mozilla-specific. Not part of any standard.”
    Zum anderen funktioniert ‚addPanel’ seit geraumer Zeit selbst in Firefox nicht mehr: „Obsolete since Gecko 23”.


Gemeinschaftskatalog der GIAQ

2. Juni 2016

Heute flatterte nun der gedruckte Gemeinschaftskatalog der GIAQ in den Briefkasten. Bei einem per Post versandten Katalog würde ich davon ausgehen, daß es sich um Fernabsatz handelt. Also sollten die → entsprechenden gesetzlichen Bedingungen erfüllt sein.
    Sehen wir dies hier? Insbesondere Art. 246a § 1 (1) 4., 8., & (2)?
Selbst die erleichterten Informationspflichten sehen noch die Angabe eines Gesamtpreises vor, wobei eine begrenzte Darstellungsmöglichkeit bei einem so dicken, ausführlichen Katalog wohl nicht vorliegen dürfte.
    Anmerkung zur Sache: Ein Personenregister ist brauchbar, ein Sachregister wäre nötig.


Online-Gemeinschaftskataloge – Überlegungen

13. Mai 2016

Online-Gemeinschaftskataloge sollten jeweils einem Thema gewidmet sein. Aus dieser Beschränkung ergeben sich zum einen inhaltliche Tiefe, die durch einen Einführungstext ergänzt werden sollte, der die im Katalog dargebotenen Werke in inneren Zusammenhang stellt und sie im Gesamtgebiet der Bibliophile verortet, zum anderen mäßiger Umfang, der dem weniger konzentrierten Lesen am Bildschirm gerecht wird.
    Trotzdem sollte für den eiligen Sucher ein Schlagwortindex zur Verfügung stehen, durch den die verschiedenen Aspekte des Themas aufgezeigt werden.
    Andere Punkte: Ihre Laufzeit sollte auf maximal zwei Wochen begrenzt werden; das PDF-Format ist unzureichend, da es zu wenig flexibel ist und nicht den Möglichkeiten des Internets entspricht, sondern eher dessen virtuelle Papierversion ist; Verkauftes sollte abgestrichen oder als solches gekennzeichnet werden; die Einträge sollten ausreichend bebildert werden; die Darstellung der Einträge sollte übersichtlich gestaltet werden.
    Angenommen von 50 Teilnehmern würde mehr als je ein Buch eingestellt, so könnte überlegt werden, ob nicht Kurzfassungen der Titelaufnahmen einen besseren Überblick böten. Auf Klicken könnten sie sich auf die volle Darstellung erweitern.
    Für die jeweiligen Vorworte sollten Fachleute gewonnen werden, gleich ob aus dem Kreis der Antiquare, Bibliophilen oder Wissenschaftler.
    Wie bereits mehrmals hier geschrieben: Es gilt, Neueinsteigern das Sammeln schmackhaft zu machen, alten Hasen ein paar Verlockungen unter die Nasen zu halten, denen sie bislang noch nicht erlagen.


50 online – eine Rezension

5. Mai 2016

    1.1 Der Katalog als Verkaufsmedium
    Welches ist die Aufgabe eines Antiquariatskataloges? Diese Frage ist einfach zu beantworten: Wie bekommt man potentielle Kunden dazu, etwas zu kaufen, das sie bereits seit langem zu kennen glauben, aber so noch nie gesehen haben?
    Bücher gehören noch immer zu den alltäglichsten Gegenständen, jeder Mensch hat mindestens ein oder zwei davon bereits in der Hand gehabt und weiß in etwa, was ihn nach dem Aufschlagen erwartet. Also muß das Interesse für jene speziellen Bücher geweckt werden, die im Angebot sind: durch Angelwörter in den Beschreibungen, interessante Bilder, durch die Kataloggestaltung. Entweder findet der Katalogleser etwas, das er lange gesucht hat, oder er wird von Neuem überrascht. Im ersten Fall hilft eine Suchfunktion, im zweiten blättern und stöbern, dies zweifelsohne die interessantere, tiefergehende Beschäftigung.

    1.2 „50 online“
    Das reichhaltige und fast durchweg qualitätsvolle Angebot des ersten Gemeinschaftskatalog „50 online“ bietet einen guten Überblick der deutschen Antiquariatslandschaft, soweit sie noch nicht in den Niederungen der Megaplattformen versunken ist. Die Beschreibungen liegen oberhalb des dort gewohnten Niveaus. Positiv hervorzuheben gleichfalls, daß den rechtlichen Bedingungen des Fernabsatzes, soweit ich es zu überschauen vermag, im PDF Genüge getan wurde; ein Punkt, der bei manch anderem Katalog leider zu kritisieren wäre.
    Der → Katalog liegt in zwei Formaten vor, einmal als PDF, das online betrachtet oder auf der heimischen Festplatte gespeichert werden kann, zum anderen als Html-Version auf der Webseite des Anbieters. Ich bespreche sie nacheinander und bitte im voraus, ein bißchen Fachchinesisch zu entschuldigen.

    2 Der PDF-Katalog
    2.1 Technisches
    Wenn alles klappt, kann dieses Kapitel überschlagen werden.
    Firefox öffnet PDF-Dateien standardmäßig im Acrobat Reader. Sie können Ihre Einstellungen → überprüfen und ändern.
    Der Internetexplorer richtet sich nach den Systemeinstellungen. Diese werden verändert über Menüleiste – Extras – Internetoptionen – Karteikarte Programme – Internetprogramme – Programme festlegen – neues Fenster öffnet sich – Dateityp oder Protokoll einem Programm zuordnen – herunterscrollen bis pdf.
    Webkit-Browser (i.e. Chrome, Opera &c) verwenden den eigenen Chrome-PDF-Viewer. Sie können diesen deaktivieren: Chrome – neuen Tab – in die Adreßzeile eingeben: chrome:plugins – Chrome PDF Viewer – deaktivieren. Beim nächsten Aufruf eines PDF erscheint dann unten im Browserfenster eine kleine Nachricht, an deren rechtem Rand sich ein Dreieck befindet, mit dem sie Ihre gewünschten Einstellungen tätigen. Nach Klick auf den Namen der Datei öffnet sich der Acrobat Reader, so er in Ihren Systemeinstellungen als Standardprogramm für diese Art von Dateien festgelegt wurde. Danach, beim nächsten PDF geht es automatisch.
    Grundsätzlich empfiehlt es sich, schon weil der geneigte Leser sicherlich die zahlreichen Seiten mit ihren interessanten Angeboten nicht in einem Zug studieren möchte, die Datei herunterzuladen, zu speichern und mit dem Acrobat Reader oder einem ähnlichen Programm zu öffnen.
    Der → Acrobat Reader in seiner neuen Version zeigt stets eine rechte Spalte mit Angeboten wie „PDF-Datei exportieren“ u.s.w. Ich blende sie, weil überflüssig, aus mittels des kleinen Dreiecks rechts neben der Laufschiene der Hauptspalte. Dann wird auch das Schriftbild größer und lesbarer. Falls die Lesezeichen, i.e. das Register mit den Antiquariaten, einmal verschwinden sollten, lassen sie sich mit dem dazugehörigen Symbol, dem zweiten von oben in der schmalen Spalte links außen, wiederherstellen.

    2.2 Vor- und Nachteile dieses Formates
    Zuerst die Vorteile des PDF-Formates: die Navigation innerhalb des Kataloges ist mittels der linken Leiste, welche die Aussteller aufführt, einfach. Suchen läßt sich mit der Suchfunktion des Acrobat Readers (Menü: Bearbeiten – Suchen, oder einfach Strg + f) nach jedem beliebigen Wort innerhalb des Gesamttextes. Soweit Links zu vollständigen Bucheinträgen oder Sachgebieten hinzugefügt wurden, lassen sich diese per Klick einfach im Browser aufrufen. Leider haben nicht alle Teilnehmer davon Gebrauch gemacht; gerade in Zeiten der Marktbeherrschung durch internationale Konzerne sollte der Antiquar Wert darauf legen, sein Geschäft eigenständig zu repräsentieren.
    Die Bildqualität in einem PDF ist leider nicht optimal, weil darauf geachtet werden muß, daß die Datei auch bei langsamen Verbindungen in noch angemessener Zeit heruntergeladen werden kann. Vorzug einer guten Html-Lösung – neben einer responsiven Seitengestaltung – wäre, daß in die Gesamtdatei kleine Vorschaubilder eingebunden werden, deren große Entsprechungen erst nach einer Reaktion des Betrachters geladen werden. Ein weiterer Nachteil solcher PDF-Kataloge ist die Beschränkung auf wenige Bilder, zum einem aus obigem Grund, zum anderen des Platzes wegen. So sind sie zwar Ersatz des gedruckten Kataloges, aber kaum Fortschritt in Bezug auf die Vielzahl von Möglichkeiten, die das Internet bietet.
    Bei der Gestaltung des Kataloges sollte zukünftig bedacht werden, daß zu lange Zeilen schwer zu verfolgen sind; die Schriftgröße der Kommentare neigt bereits in den gedruckten Messekatalogen dazu, ins Unscheinbare abzugleiten; beim PDF läßt sie sich zumindest vergrößern; allzu kleine Schriften scheitern eh an der Bildschirmauflösung, nicht nur an den Augen älterer Leser. Hervorzuheben ist, daß beim vorliegenden Katalog nicht zwei (Druck-) Seiten nebeneinander liegen wie bei den PDFs der bisherigen Messekataloge, sondern immer nur eine, was die Lesbarkeit auch auf kleineren Bildschirmformaten stark verbessert.

    3 Der Html-Katalog
    Die Eingangseite zeigt eine Vielzahl kleiner Bilder, deren Zeilen, da das Webdesign nicht responsiv ist, bei kleineren Bildschirmformaten rechts abgeschnitten werden. Hier sollte nachgebessert werden; eine Tabelle (table) und Tabellenzeilen (tr) zu verwenden, ist anachronistisch und unflexibel.
    Diese Überzahl ist eher verwirrend als animierend. Es ist mir wenig einsichtig, warum ein Besucher auf Bilder klicken sollte, die dermaßen klein sind, daß ihre Aussagekraft gegen Null tendiert. Bei den heutigen Möglichkeiten sollten sie, wenn sich der Mauszeiger darüber bewegt, wenigstens vergrößert werden.
    Das Sachregister ist nützlich, die meisten angebotenen Werke sind mehreren Kategorien zugeordnet, was das Stöbern erleichtert. Noch besser wäre es, hätten den einzelnen Einträgen in diesen Sachlisten jene unter „Aus Kapitel“ befindlichen Verweise auf weitere Gebiete hinzugefügt werden können, die sich jedoch nur bei den einzelnen Händlern unter ihren Büchern befinden, wohl um von diesem Antiquar wegzulocken.
    Die Suchfunktion ist einfach und hinreichend, eine Volltextsuche.
    Warum sich, klickt der Leser auf das kleine „mehr“ am Ende des gekürzten Eintrages ein neues Minifenster, das von der Textfülle quasi erschlagen wird, öffnet, ist mir wenig einsichtig. Noch unverständlicher ist, warum sich Minibilder in diesem Minifenster nach Daraufklicken in eben diesem öffnen, das jedoch nur die Option „schließen“ bereitstellt, kein „Zurück zur Beschreibung“. Klickt der Benutzer neben das Fenster, was bei der Größe nicht unbedingt schwerfällt, ist es sofort weg, und er darf den Versuch von neuem starten. Auch sollte sich das Fenster – wenn schon nicht dem Textumfang – wenigstens der Bildgröße anpassen, damit scrollen fortfällt; ein wenig Javascript würde hier schnell Abhilfe schaffen.
    Ein weiterer Nachteil des Html-Kataloges ist, daß die manchen Bucheinträgen beigegebenen Links hier nicht anklickbar, sondern nur kopierbar sind. Links sind eine Grundfunktion des Internets: ohne sie kein Netz.
    Die verwendeten Schriften sind ohne Grund unterschiedlich. Suchergebnisse werden in einer Festbreitenschrift dargestellt, anderes in serifenloser Proportionalschrift („verdana, arial, georgia, sans-serif“).
    Während die den Fernabsatz betreffenden rechtlichen Vorschriften im PDF berücksichtigt sind, habe ich dergleichen im Html-Katalog vermißt.
    Der Html-Katalog präsentiert sich also als nutzbar, aber in seinen Einzelheiten zu wenig durchdacht. Warum die Seiten immer noch → Frames verwenden, scheint mir nur noch vom antiquarischen Standpunkt aus nachvollziehbar.

    4. Resümee
    Zu einer Zeit, in der Sammeln und ein wohlgefüllter heimischer Bücherschrank nicht mehr selbstverständlich sind, sollte jeder gemeinsame Katalog mehrerer Antiquare (wie jede Homepage eines Antiquariats) auch ein Anreiz, ein Anleitung sein, damit zu beginnen. Gerade in solch einer Vielfalt des Angebotes gilt es, jene Wege, Leitgedanken und Perspektiven aufzuzeigen, durch die sich suchender Blick wie abwägende Erfahrung zu vertiefen vermögen.
    So läßt sich sagen: Gleich ob der Gemeinschaftskatalog „50 online“ für alle Beteiligten ein geschäftlicher Erfolg wird oder nicht, er ist auf jeden Fall eine gute Werbung für die teilnehmenden Antiquariate und, soweit verfügbar, deren Homepages. Hoffen wir, daß einige unserer Kunden ihr lang Gesuchtes finden, andere sich überraschen lassen werden.


Gemeinschaftskatalog 50 online

19. April 2016

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Überlegungen zum Katalog der Zukunft

2. April 2016

… der eigentlich schon lange Gegenwart sein sollte.
    Der gedruckte Verkaufskatalog hat ausgedient. Die einzigen Argumente, die seine Verteidiger noch hervorzubringen vermögen, sind die Tradition und daß schließlich in ihm antiquarische Druckwerke angeboten werden. Das ist dürftig.
    Abgesehen von der beschränkten Zahl von Abbildungen, die noch dazu meist Daumennagelformat aufweisen, bietet ein gedruckter Katalog nur wenige Metaebenen, je nachdem, wie gut er indiziert ist. Statt vom angebotenen Stück sofort auf weitere gelenkt zu werden, die eventuell den Bedürfnissen des Sammlers auch bzw. besser entsprechen, müssen seine Benutzer spärlich zusammengestoppelte Indices bemühen, um weitere Zusammenhänge aufzuspüren. Ein Stöbern, wie es im günstigen Falle verlinkte Bucheinträge im Netz bieten, bleibt ausgeschlossen. Es tritt hinzu, daß mögliches Kaufinteresse durch veraltete, bereits verkaufte Angebote frustriert wird. Demgegenüber steht eine gewissen Dauerhaftigkeit, der von den Verteidigern angeführte Werbeeffekt über Jahre hinaus. Aber wer schaut schon, außer aus nostalgischen Gründen, in veraltete Kataloge? Möchte der Antiquar seinen Namen in der Welt bekannt machen, so sollte er sich Visitenkarten, Lesenzeichen oder eine eigene Homepage zulegen.
    Nebenbei bemerkt genügt kaum ein gedruckter Katalog, den ich kenne, den gesetzlichen Anforderungen wie Preisangabenverordnung, Widerrufsrecht etc, denn es handelt sich schließlich um Fernabsatz, bei dem gewisse Regeln zu befolgen sind.
    Übergänge zum Katalog im Netz wären, simpel gedacht, eingescannte Seiten oder die Umwandlung der gedruckten in PDFs – beides Halbheiten ohne Vorzüge. Des weiteren als Steigerung PDF-Dateien, in denen Verlinkungen innerhalb und nach außen angeboten werden – auch dies kein wesentlicher Fortschritt und kein Aufgreifen der Möglichkeiten.
    Andererseits: Was dem Netz fehlt, das ist die Einzigartigkeit des Angebotes in Ort und Zeit, der Moment des Einmaligen, der z.B. Auktionen auszeichnet. Dieser muß ihm notwendigerweise erst beigebracht werden, er ergibt sich nicht von allein durch die Schnellebigkeit des Internets, die zeitliche Begrenztheit von Verweisungen und Adressen.
    Halten wir ohne Anspruch auf Vollständigkeit fest: Der ideale Internetkatalog genügte selbstverständlich den gesetzlichen Anforderungen, böte für jeden Eintrag mehr als ein Bild, das sich per mouseover, hover oder dergleichen Methoden vergrößerte, möglicherweise auch Kurzfassungen der Beschreibungen, die sich auf Leserwunsch per Klick auf die vollständigen Texte erweitern ließen, würde sich innerhalb seiner selbst so verschlagworten und verlinken, daß sich durch solche Verweise ein Sammlungsmuster zusammenstellen ließe, das den Benutzer anleitete und auf neue Ideen brächte. Seine Inhalte wären für die Zeit seiner Bereitstellung stets auf neuestem Stand, danach sollten sie wenigstens für einige Zeit vom Markt genommen werden.
    Solvitur ambulando – aber dafür müssen wir uns auf den Weg machen und dürfen nicht in veralteten Denkprozessen steckenbleiben.


AdA (not ardor) in hochwertigem Look & Feel

15. März 2016

Nein „hochwertiges Look & Feel“ stammt nicht aus meiner Feder, sondern aus dem Redaktionsgriffel.
    Die neugestalteten Hefte von „Aus dem Antiquariat“ werden gedruckt auf Munken Print Cream 15: „Das fein holzhaltige Papier hat eine angenehme Haptik und Steifigkeit und ist hervorragend für monochrome und mehrfarbige Anwendungen geeignet“ (arcticpaper.com). Die verwandte Type ist Questa, sowohl als Serifenschrift wie als serifenlose: Ohne Serifen, in Questa Sans, kommen die Überschriften, Zwischenüberschriften, Seitenzahlen, die dreizeiligen, eingerückten Initialen, die kleingedruckten Anmerkungen unten neben den Textspalten, die Interviewfragen sowie die vierspaltig gesetzten Nachrichten daher. Aus irgendeinem Grund weichen kurze, größer gesetzte Textpassagen, die sich von außen in die Spalten hineinschieben, von diesem Schema ab: sie sind in, meinen Augen will scheinen dunkelblauer, Questa gesetzt. Kleine Vierecke und kurze, dicke Striche verkünden Anfänge bzw. neue Topoi; ganz kleine Striche liegen neben den Beitragsenden, als ob man sie dort vergessen hätte.
    Soweit die Fakten. Nun zum Ergebnis. Auch wenn die Reklame meint, dieses Papier sei für Farbabbildungen geeignet, belehrt uns das Gedruckte eines Besseren: Seitenphotographien aus Büchern haben durchweg den Drang, gelblich-hellbraun zu werden, als ob die Vorlagen sämtlich aus stark holzhaltigem Papier bestanden hätten – trotz ihrer Entstehungszeit; Farbbilder haben den matten Glanz eingeweichter Gummibärchen, ihre Farben sind flau und die Abstufungen unerkennbar, wie z.B. auf Seite 32, wo die Oberbekleidungen von Herrn Nolte und Frau Braun höchst indezent ineinanderlaufen.
    Man mag mit mir die Schrifttype Questa eh für ästhetisch unerfreulich halten, ihre senkrechten Striche sind in Relation zu den gekrümmten Linien und Serifen zu dick, die Serifen-Variante der Schrift läuft insgesamt zu breit. Die Sans-Variante ist enger, wenn fett wesentlich dicker, so daß die Grauwerte der Seiten recht uneinheitlich werden.
    Mir will gleichfalls nicht einleuchten, warum die Anzahl von Spalten, die eh von Bildern und Textpassagen eingedrückt bzw. unterbrochen werden, derart von einer bis vier variieren muß.
    Das Heft besitzt auch einen Umschlag. Im Unterschied zum Inhalt ist dieser streng gestaltet, zwar werden auch dort beide Varianten der Questa verwandt, dies aber weniger störend als innen. Da sich der gerade Leib der „1“ so passend dem Rücken der Broschur (leider keine Fadenheftung, ans Neubinden denkt heutzutage niemand mehr) anschmiegt, so sollte man gespannt auf die eher runden Ziffern sein. Der Trick, daß die Zahl erst bei ganz aufgeschlagenem Einband völlig sichtbar wird, wogegen sich die Klebebindung wehrt, ist nicht ganz neu.
    Es scheint in dieser Periode der Gestaltung von Internetseiten schwierig, in sich Stimmiges, Einheitliches zu produzieren, zu sehr haben sich die Augen anscheinend an das konfuse Kunterbunt auf den Monitoren gewöhnt.


Lob der eigenen Homepage

12. März 2016

Was bietet eine eigene Homepage, die bislang für die meisten ihrer Betreiber durchaus erfolgreich gewesen ist?

Eine positive Selbstdarstellung jedes Antiquars, die sein Angebot gegenüber den Tiefen und Weiten des Internets aus der Masse heraushebt;

eine Werbung mit wesentlich größerer Langzeitwirkung, als es jede Anzeige in irgendeinem anderen Medium bieten kann;

die Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen, und die beinah sichere Chance, Bücher zu verkaufen …

(PS. Mein Dank gilt Herrn A. für die Mithilfe an diesem Text.)


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