Gemeinschaftskatalog 50 online

19. April 2016

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Überlegungen zum Katalog der Zukunft

2. April 2016

… der eigentlich schon lange Gegenwart sein sollte.
    Der gedruckte Verkaufskatalog hat ausgedient. Die einzigen Argumente, die seine Verteidiger noch hervorzubringen vermögen, sind die Tradition und daß schließlich in ihm antiquarische Druckwerke angeboten werden. Das ist dürftig.
    Abgesehen von der beschränkten Zahl von Abbildungen, die noch dazu meist Daumennagelformat aufweisen, bietet ein gedruckter Katalog nur wenige Metaebenen, je nachdem, wie gut er indiziert ist. Statt vom angebotenen Stück sofort auf weitere gelenkt zu werden, die eventuell den Bedürfnissen des Sammlers auch bzw. besser entsprechen, müssen seine Benutzer spärlich zusammengestoppelte Indices bemühen, um weitere Zusammenhänge aufzuspüren. Ein Stöbern, wie es im günstigen Falle verlinkte Bucheinträge im Netz bieten, bleibt ausgeschlossen. Es tritt hinzu, daß mögliches Kaufinteresse durch veraltete, bereits verkaufte Angebote frustriert wird. Demgegenüber steht eine gewissen Dauerhaftigkeit, der von den Verteidigern angeführte Werbeeffekt über Jahre hinaus. Aber wer schaut schon, außer aus nostalgischen Gründen, in veraltete Kataloge? Möchte der Antiquar seinen Namen in der Welt bekannt machen, so sollte er sich Visitenkarten, Lesenzeichen oder eine eigene Homepage zulegen.
    Nebenbei bemerkt genügt kaum ein gedruckter Katalog, den ich kenne, den gesetzlichen Anforderungen wie Preisangabenverordnung, Widerrufsrecht etc, denn es handelt sich schließlich um Fernabsatz, bei dem gewisse Regeln zu befolgen sind.
    Übergänge zum Katalog im Netz wären, simpel gedacht, eingescannte Seiten oder die Umwandlung der gedruckten in PDFs – beides Halbheiten ohne Vorzüge. Des weiteren als Steigerung PDF-Dateien, in denen Verlinkungen innerhalb und nach außen angeboten werden – auch dies kein wesentlicher Fortschritt und kein Aufgreifen der Möglichkeiten.
    Andererseits: Was dem Netz fehlt, das ist die Einzigartigkeit des Angebotes in Ort und Zeit, der Moment des Einmaligen, der z.B. Auktionen auszeichnet. Dieser muß ihm notwendigerweise erst beigebracht werden, er ergibt sich nicht von allein durch die Schnellebigkeit des Internets, die zeitliche Begrenztheit von Verweisungen und Adressen.
    Halten wir ohne Anspruch auf Vollständigkeit fest: Der ideale Internetkatalog genügte selbstverständlich den gesetzlichen Anforderungen, böte für jeden Eintrag mehr als ein Bild, das sich per mouseover, hover oder dergleichen Methoden vergrößerte, möglicherweise auch Kurzfassungen der Beschreibungen, die sich auf Leserwunsch per Klick auf die vollständigen Texte erweitern ließen, würde sich innerhalb seiner selbst so verschlagworten und verlinken, daß sich durch solche Verweise ein Sammlungsmuster zusammenstellen ließe, das den Benutzer anleitete und auf neue Ideen brächte. Seine Inhalte wären für die Zeit seiner Bereitstellung stets auf neuestem Stand, danach sollten sie wenigstens für einige Zeit vom Markt genommen werden.
    Solvitur ambulando – aber dafür müssen wir uns auf den Weg machen und dürfen nicht in veralteten Denkprozessen steckenbleiben.


AdA (not ardor) in hochwertigem Look & Feel

15. März 2016

Nein „hochwertiges Look & Feel“ stammt nicht aus meiner Feder, sondern aus dem Redaktionsgriffel.
    Die neugestalteten Hefte von „Aus dem Antiquariat“ werden gedruckt auf Munken Print Cream 15: „Das fein holzhaltige Papier hat eine angenehme Haptik und Steifigkeit und ist hervorragend für monochrome und mehrfarbige Anwendungen geeignet“ (arcticpaper.com). Die verwandte Type ist Questa, sowohl als Serifenschrift wie als serifenlose: Ohne Serifen, in Questa Sans, kommen die Überschriften, Zwischenüberschriften, Seitenzahlen, die dreizeiligen, eingerückten Initialen, die kleingedruckten Anmerkungen unten neben den Textspalten, die Interviewfragen sowie die vierspaltig gesetzten Nachrichten daher. Aus irgendeinem Grund weichen kurze, größer gesetzte Textpassagen, die sich von außen in die Spalten hineinschieben, von diesem Schema ab: sie sind in, meinen Augen will scheinen dunkelblauer, Questa gesetzt. Kleine Vierecke und kurze, dicke Striche verkünden Anfänge bzw. neue Topoi; ganz kleine Striche liegen neben den Beitragsenden, als ob man sie dort vergessen hätte.
    Soweit die Fakten. Nun zum Ergebnis. Auch wenn die Reklame meint, dieses Papier sei für Farbabbildungen geeignet, belehrt uns das Gedruckte eines Besseren: Seitenphotographien aus Büchern haben durchweg den Drang, gelblich-hellbraun zu werden, als ob die Vorlagen sämtlich aus stark holzhaltigem Papier bestanden hätten – trotz ihrer Entstehungszeit; Farbbilder haben den matten Glanz eingeweichter Gummibärchen, ihre Farben sind flau und die Abstufungen unerkennbar, wie z.B. auf Seite 32, wo die Oberbekleidungen von Herrn Nolte und Frau Braun höchst indezent ineinanderlaufen.
    Man mag mit mir die Schrifttype Questa eh für ästhetisch unerfreulich halten, ihre senkrechten Striche sind in Relation zu den gekrümmten Linien und Serifen zu dick, die Serifen-Variante der Schrift läuft insgesamt zu breit. Die Sans-Variante ist enger, wenn fett wesentlich dicker, so daß die Grauwerte der Seiten recht uneinheitlich werden.
    Mir will gleichfalls nicht einleuchten, warum die Anzahl von Spalten, die eh von Bildern und Textpassagen eingedrückt bzw. unterbrochen werden, derart von einer bis vier variieren muß.
    Das Heft besitzt auch einen Umschlag. Im Unterschied zum Inhalt ist dieser streng gestaltet, zwar werden auch dort beide Varianten der Questa verwandt, dies aber weniger störend als innen. Da sich der gerade Leib der „1“ so passend dem Rücken der Broschur (leider keine Fadenheftung, ans Neubinden denkt heutzutage niemand mehr) anschmiegt, so sollte man gespannt auf die eher runden Ziffern sein. Der Trick, daß die Zahl erst bei ganz aufgeschlagenem Einband völlig sichtbar wird, wogegen sich die Klebebindung wehrt, ist nicht ganz neu.
    Es scheint in dieser Periode der Gestaltung von Internetseiten schwierig, in sich Stimmiges, Einheitliches zu produzieren, zu sehr haben sich die Augen anscheinend an das konfuse Kunterbunt auf den Monitoren gewöhnt.


Lob der eigenen Homepage

12. März 2016

Was bietet eine eigene Homepage, die bislang für die meisten ihrer Betreiber durchaus erfolgreich gewesen ist?

Eine positive Selbstdarstellung jedes Antiquars, die sein Angebot gegenüber den Tiefen und Weiten des Internets aus der Masse heraushebt;

eine Werbung mit wesentlich größerer Langzeitwirkung, als es jede Anzeige in irgendeinem anderen Medium bieten kann;

die Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen, und die beinah sichere Chance, Bücher zu verkaufen …

(PS. Mein Dank gilt Herrn A. für die Mithilfe an diesem Text.)


Unkonventionelle Wege

10. März 2016

Darf ich auf einen lesenswerten Beitrag verweisen:

„Mehr denn je gilt es, unkonventionelle Wege zu finden, die neuen Kundensegmente an ihren Orten aktiv aufzusuchen und im globalen Raum gezielt abzuholen. Die Zeichen der Zeit müssen erkannt werden. Sie rufen nach neuen Perspektiven im Antiquariat jenseits physischer Ladengrenzen.“

Ich hoffe, der Katalog „50 online“ wird ein Schritt in diese Richtung sein.


Drei kleine Anmerkungen zum ’neuen‘ ZVAB

3. November 2015

Ob die pauschalisierten Versandkosten mit der Preisangabenverordnung in Einklang stehen, das wage ich zu bezweifeln.
Einen Hinweis auf enthaltene Mehrwertsteuer habe ich nirgends entdecken können, cf. PAngV §2, Abs. 1.
Ebenso vermisse ich einen Link auf die Widerrufsbelehrung des jeweiligen Händlers.


Ausstieg

31. Oktober 2015

Heute voll Freude einige nunmehr unnötige Datenbankfelder gelöscht, u.a. Einbandart und Kategorie. Die vom ZVAB vorgegebenen, von den Antiquaren tunlichst einzupflegenden Kategorien basierten auf jenen von Bibliotheken, nicht den von Sammlern und Antiquariatskatalogen verwandten. Zur Einbandart fiel einem Kollegen bei Einführung dieses Feldes nur ein: „weicher Keks“ – recht hatte er, „weicher Einband“ ist das Unfachmännischste, was einem Antiquar mit langjähriger Berufserfahrung unterlaufen sollte. Für „Hardcover“ und die anderen Varianten gilt dasselbe.
    An diesem Beispiel zeigt sich die von großen Plattformen initialisierte Infantilisierung unseres Gewerbes: Möglichst alles soll allen verständlich gemacht werden, auch unter Verlust von sachdienlicher, i.e. kundendienlicher Information.
    Und alles wird über einen Kamm geschoren. Es wurde in den vielen Jahren nicht geschafft, die Gebrauchsbücher von den antiquarischen optisch zu trennen, obwohl für beide verschiedene Normen der Titelaufnahme wie der Darstellung auf dem Benutzerbildschirm gelten sollten. Statt dessen sollte möglichst alles mit Bildern versehen werden, obgleich die Frage der Bildrechte möglichst ausgeklammert blieb. Nun ist der Nutzen eines übernommenen Bildes eh fraglich, zeigt es eben nicht das angebotene Exemplar, sondern irgendeines – dasselbe gilt selbstverständlich für übernommene Titelaufnahmen. Durch diese Ebaysierung erlangte das Bild Vorrang vor der Buchbeschreibung. Auch dies macht bei wertvollen Büchern wenig Sinn, denn ihre Abbildungen und ihre Beschreibung zu verstehen erfordert Übung sowie Erfahrung – nicht nur Hingucken.
    Somit stellt sich das Antiquariatsgewerbe wieder einmal als Nischenbetrieb heraus: möglichst erfahrene Händler wenden sich an einschlägig vorbelastete Sammler. Genau dies steht der Gleichmacherei unter dem Regime eines gewerbefremden Betreibers, womöglich sogar jeder Plattform, außer denn sie käme äußerst flexibel daher, entgegen.


Die letzten Tage im ZVAB

24. Oktober 2015

Bei allen Kunden, die seit Gründung des ZVAB auf diesem Wege bestellt haben, bedanke ich mich, insbesondere bei jenen, die mir über Jahre die Treue gehalten haben. Fortan werden Sie meine Bücher nur auf meiner eigenen → Angebotseite finden.


BER

30. September 2015

Heute, im Jahre 2020 blicken wir zurück auf die letzten fünf Jahre erfolgreichen Cargo-Kultes in der Hauptstadt, die aufgrund ihrer Geschichte während der Teilung Deutschlands, als Berlin beliebtes Ziel mehr oder weniger unnützer Subventionen war, prädestiniert schien, den Hauptsitz unseres ehrwürdigen Kultes zu beherbergen.
    Als im Jahre 2015 jedem ersichtlich wurde, daß der in jahrelanger, mühsamer Beinahzusammenarbeit der sich mehr oder weniger zuständig fühlenden Behörden, Regierungen sowohl der Hauptstadt wie des Landes Brandenburg, und, last not least, der Architekten, Bauunternehmer und wer sonst noch alles seine lukrative Beschäftigung auf der Baustelle fand, beinah errichtete Flughafen niemals funktionsfähig werden würde, in diesem geschichtsträchtigen Moment faßte man den ebenso mutigen wie wegweisenden Entschluß, alle Gebäude sowie die Landebahnen zum Großtempel des weltweiten Cargo-Kultes umzuwidmen.
    Seitdem pilgern mit Pferdedroschken, Dampfeisenbahnen und zu Fuß täglich mehrere Hundert Gläubige aus aller Herren Länder hierher und versammeln sich, schauen in gemeinschaftlichem Erleben in den Himmel und erwarten die gabenbringenden Flugzeuge.
    Selbstverständlich gedenken wir heute auch der 127 Todesopfer, die durch den Einsturz der Haupthalle im Jahre 2017 zu beklagen waren: Die Decke weigerte sich damals, weiterhin die Last der überdimensionierten (für unseren Kult eh unnötigen) Ventilatoren zu tragen, und zur selben Zeit fielen einige der Brandschutzmauern um, da sich Besucher gegen sie gelehnt hatten. Wir sind fest in unserem Glauben und der Gewißheit, daß sie nun als Märtyrer unserer Religion im Cargo-Elysium ein besseres Dasein haben, wo ihnen 72 Drohnen täglich die besten Speisen und Getränke – je nach Wunsch – aus dem elysischen Kadewe oder den Galeries Lafayette darreichen.
    Die Hauptstadt erlebte durch diesen, unseren Tempel einen ungeahnten, unvorhergesehenen Aufschwung: Wie zahlreich waren gleich ab der ersten Tage die Ströme der Anbeter, die ihren Weg zum ehemaligen BER fanden. Reißenden Absatz fanden jene Devotionalien, die an schnell errichteten, immer noch provisorischen Ständen rund um das Hauptgebäude und die Flugbahnen angeboten wurden – gefertigt voller Liebe und Hingabe von Berliner wie brandenburger Kindern in ihren Unterrichtsstunden: Flugzeugmodelle aus Papp-, Papier- und Kunststoffresten, die nun ihrer neuen, erhabenen Bestimmung zugeführt werden. Unsere Pilger schwenkten und schwenken sie noch immer gen Himmel, jauchzen und stimmen mit hoffnungsfroher Erwartung auf die einst kommenden frachttragenden Flugzeuge die Hymnen an.


Büchernarren unter sich

9. August 2015

Herr Biester hat den lobenswerten Versuch unternommen, der restlichen Buchwelt die Probleme des Antiquariatshandels etwas näherzubringen (hier geht es zum Börsenblatt). So ist ein gut lesbarer Text entstanden, der informiert, aber wenig zur Lösung aktueller Probleme beiträgt. Das liegt auch an den Vorschlägen, die dem Verfasser entgegengebracht wurden und die so alt und ausdiskutiert sind, daß sie in die Mottenkiste, besser noch zum Bücherstaub gehören.

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    Aber beginnen wir am Anfang. „Hoffnungsträger der Branche sind alternative Plattformen und engagierte Neugründer“.
    „Alternative Plattformen“: Welche davon sind von Bedeutung? Mir fiele mit viel Nachdenken evtl. eine von geringerer Bedeutung ein – doch wieviel des Umsatzes dieser alternativen Plattform wird über Metasuchen wie ‚Eurobuch’ (siehe dessen Besitzverhältnisse!) generiert? Was bleibt dann von ‚alternativ’ und eigenständig? ‚Booklooker’ würde ich nicht zu den Alternativen rechnen, da es hauptsächlich einen Teilbereich des antiquarischen Buchhandels abdeckt und bereits für einige Weile teilweise unter die Fittiche einer größeren Firma geschlüpft war.
    „Engagierte Neugründer“: Gut, gut, das Engagement läßt mit dem Alter nach, aber dies liest sich so, als seien nur die Neuen noch bei der Sache. Dem ist nicht so.
    Die genannten Vorbilder direkter Kundenansprache, die Herren Günther und Tenschert sind – so leid mir das tut – Ausnahmefälle, die zusammen genau jenen Bruchteil aller Antiquariate repräsentieren, den sie bilden. Auktionshäuser arbeiten, siehe Sotheby’s, sogar mit Ebay zusammen. Ansonsten fällt es mir schwer, Auktionshäuser zu den Antiquariaten zu rechnen, da sie sich eher als Konkurrenz zu unserem Handel mit wertvolleren antiquarischen Stücken gebärden und sich mit zahlreichen Angeboten ebenso wie wir an die Endkunden wenden.
    Nun zu den Lösungsvorschlägen, zuerst zu denen des Kollegen Mewes: „Die Antiquare müssen enger kooperieren, um der Marktbeherrschung durch Amazon entgegenzutreten.“ Pro domo, und so wie sich die gemeinte Institution mit diversen Unverträglichkeitserklärungen gegenüber Kollegen bislang anstellte, eher Utopie. „Amazon ist übrigens mit dem Antiquariat groß geworden; es wäre schön, wenn die MVB daraus für die Seite Buchhandel.de die richtigen Schlüsse zöge; …“ Nachmachen ist alles, was uns einfällt. Wer sagt, daß es zweimal klappt? Überhaupt: Warum erst das Große, wenn klein angefangen werden kann? Der Antiquaria-Service des ZVAB fällt fort, weil ABE unwillig ist – was läge näher, als dies selbst anzubieten? So schwer kann die Programmierung nicht sein. Ein neuer Service ist besser als tausend Wörter und viele Anzeigen.
    Sodann die weiteren Vorschläge: „Während sich Verleger und Buchhändler beispielsweise intensiv mit Metadaten befassen und die Initiative ‚Vorsicht Buch’ unterstützen, fehlt im Antiquariat der Druck zur Innovation. Einführung und Durchsetzung verbindlicher Qualitätsstandards – hinsichtlich Verfügbarkeit, Zahlungsoptionen oder Abwicklung? Standardisierte bibliographische Daten? Kooperation mit Bibliotheken? Fehlanzeige.“
    Zu den einzelnen Punkten. „Metadaten sind Daten, die helfen, Bücher besser zu verkaufen“, meint Ronald Schild. Ich mag solch luzide Beiträge, und er steigert sich „Ohne korrekte Bezeichnung des Titels, des Autors, des Verlages ist ein Titel häufig überhaupt nicht auffindbar, ohne passgenaue Klassifizierung nach Warengruppe, Zielgruppe oder Genre wird er deutlich seltener von Buchhändlern oder Endkunden gefunden und gekauft.“ Wahr. Genau aus diesem Grunde haben unsere Datenbanksysteme Felder für genau jene Informationen und weitere für Metadaten wie Stichwörter, Sachgebiete und Kataloge – bisweilen weisen einzelne Angebotseiten sogar Möglichkeiten zum Stöbern auf.
    Die Seite „Vorsicht Buch!“ mit ihrem dekorativ dicken Ausrufezeichen weiß noch nicht, ob sie ihre Benutzer Siezen oder Duzen möchte, mittig: „Über die Umkreissuche eine Buchhandlung in Ihrer Nähe finden …“; unten „Jetzt Buchhandlung in Deiner Nähe suchen“. Ich zöge das Siezen vor. Abgesehen davon möchte die Seite gern mit Javascript angeschaut werden und sicherlich ließen sich die Ladezeigen verkürzen. Als Vorbild mag ich dies nicht sehen.
    Qualitätsstandards. Darüber wurde bereits in der Hess-Runde zur Zeit des Herrn Mulzer, selig, debattiert. Ich erspare mir, irgendwelche Beispiele anzuführen. Es gibt keine Institution, die dies unter all den querköpfigen, eigenbrödlerischen Antiquaren durchgebracht hätte. Zum Glück. Das erspart dem Kunden zwar nicht die Erfahrung mit einigen schlechten Beschreibungen, aber im Zeitalter einfacher digitaler Bilderstellung läßt sich das leicht verkürzen.
    „Standardisierte bibliographische Daten“? Das bedürfte näherer Erläuterung. Wie sollen diese Angaben bei einer so weit gefächerten Angebotspalette von Alchemie bis Zoologie standardisiert werden?
    „Kooperations mit Bibliotheken?“ Wozu? Wie?
    Da wir Antiquare vom Gesetzgeber zunehmend mit Antiquitätenhändlern in einen Topf geworfen werden (MwSt-Satz für Autographen und Handschriften, geplantes Kulturschutzgesetz, s.u.) sehe ich eher hier gemeinsame Fronten als zu den Frischbüchlern.
    Sammeln heißt differenzieren, bewerten, auswählen. Dasselbe galt für den Antiquar, nur ist dies in Zeiten von Massen sich auf den Plattformen drängelnder Angebote abhanden gekommen. Sowie die Auswahl vernachlässigt wird, steigt die Menge, die in sich keine Unterschiede kennt, außer jenen versandtechnischen der Größe und des Gewichtes, jedoch keine ästhetischen oder geistigen Kriterien. Daher die ständige Abwertung des nahezu Einheitswertigen: es fehlen die Maßstäbe.

PS.
Inwieweit Sammeln noch zeitgemäß und überhaupt möglich sein wird, mag sich dieser Tage entscheiden; es hängt davon ab, was von den Plänen bei der Novellierung des Kulturgutschutzrechts umgesetzt wird. Siehe diese Petition, die ich zu unterzeichen bitte, um dem möglichen Übel wenigstens unsere schwache Stimme entgegenzurufen.