50 online – eine Rezension

5. Mai 2016

    1.1 Der Katalog als Verkaufsmedium
    Welches ist die Aufgabe eines Antiquariatskataloges? Diese Frage ist einfach zu beantworten: Wie bekommt man potentielle Kunden dazu, etwas zu kaufen, das sie bereits seit langem zu kennen glauben, aber so noch nie gesehen haben?
    Bücher gehören noch immer zu den alltäglichsten Gegenständen, jeder Mensch hat mindestens ein oder zwei davon bereits in der Hand gehabt und weiß in etwa, was ihn nach dem Aufschlagen erwartet. Also muß das Interesse für jene speziellen Bücher geweckt werden, die im Angebot sind: durch Angelwörter in den Beschreibungen, interessante Bilder, durch die Kataloggestaltung. Entweder findet der Katalogleser etwas, das er lange gesucht hat, oder er wird von Neuem überrascht. Im ersten Fall hilft eine Suchfunktion, im zweiten blättern und stöbern, dies zweifelsohne die interessantere, tiefergehende Beschäftigung.

    1.2 „50 online“
    Das reichhaltige und fast durchweg qualitätsvolle Angebot des ersten Gemeinschaftskatalog „50 online“ bietet einen guten Überblick der deutschen Antiquariatslandschaft, soweit sie noch nicht in den Niederungen der Megaplattformen versunken ist. Die Beschreibungen liegen oberhalb des dort gewohnten Niveaus. Positiv hervorzuheben gleichfalls, daß den rechtlichen Bedingungen des Fernabsatzes, soweit ich es zu überschauen vermag, im PDF Genüge getan wurde; ein Punkt, der bei manch anderem Katalog leider zu kritisieren wäre.
    Der → Katalog liegt in zwei Formaten vor, einmal als PDF, das online betrachtet oder auf der heimischen Festplatte gespeichert werden kann, zum anderen als Html-Version auf der Webseite des Anbieters. Ich bespreche sie nacheinander und bitte im voraus, ein bißchen Fachchinesisch zu entschuldigen.

    2 Der PDF-Katalog
    2.1 Technisches
    Wenn alles klappt, kann dieses Kapitel überschlagen werden.
    Firefox öffnet PDF-Dateien standardmäßig im Acrobat Reader. Sie können Ihre Einstellungen → überprüfen und ändern.
    Der Internetexplorer richtet sich nach den Systemeinstellungen. Diese werden verändert über Menüleiste – Extras – Internetoptionen – Karteikarte Programme – Internetprogramme – Programme festlegen – neues Fenster öffnet sich – Dateityp oder Protokoll einem Programm zuordnen – herunterscrollen bis pdf.
    Webkit-Browser (i.e. Chrome, Opera &c) verwenden den eigenen Chrome-PDF-Viewer. Sie können diesen deaktivieren: Chrome – neuen Tab – in die Adreßzeile eingeben: chrome:plugins – Chrome PDF Viewer – deaktivieren. Beim nächsten Aufruf eines PDF erscheint dann unten im Browserfenster eine kleine Nachricht, an deren rechtem Rand sich ein Dreieck befindet, mit dem sie Ihre gewünschten Einstellungen tätigen. Nach Klick auf den Namen der Datei öffnet sich der Acrobat Reader, so er in Ihren Systemeinstellungen als Standardprogramm für diese Art von Dateien festgelegt wurde. Danach, beim nächsten PDF geht es automatisch.
    Grundsätzlich empfiehlt es sich, schon weil der geneigte Leser sicherlich die zahlreichen Seiten mit ihren interessanten Angeboten nicht in einem Zug studieren möchte, die Datei herunterzuladen, zu speichern und mit dem Acrobat Reader oder einem ähnlichen Programm zu öffnen.
    Der → Acrobat Reader in seiner neuen Version zeigt stets eine rechte Spalte mit Angeboten wie „PDF-Datei exportieren“ u.s.w. Ich blende sie, weil überflüssig, aus mittels des kleinen Dreiecks rechts neben der Laufschiene der Hauptspalte. Dann wird auch das Schriftbild größer und lesbarer. Falls die Lesezeichen, i.e. das Register mit den Antiquariaten, einmal verschwinden sollten, lassen sie sich mit dem dazugehörigen Symbol, dem zweiten von oben in der schmalen Spalte links außen, wiederherstellen.

    2.2 Vor- und Nachteile dieses Formates
    Zuerst die Vorteile des PDF-Formates: die Navigation innerhalb des Kataloges ist mittels der linken Leiste, welche die Aussteller aufführt, einfach. Suchen läßt sich mit der Suchfunktion des Acrobat Readers (Menü: Bearbeiten – Suchen, oder einfach Strg + f) nach jedem beliebigen Wort innerhalb des Gesamttextes. Soweit Links zu vollständigen Bucheinträgen oder Sachgebieten hinzugefügt wurden, lassen sich diese per Klick einfach im Browser aufrufen. Leider haben nicht alle Teilnehmer davon Gebrauch gemacht; gerade in Zeiten der Marktbeherrschung durch internationale Konzerne sollte der Antiquar Wert darauf legen, sein Geschäft eigenständig zu repräsentieren.
    Die Bildqualität in einem PDF ist leider nicht optimal, weil darauf geachtet werden muß, daß die Datei auch bei langsamen Verbindungen in noch angemessener Zeit heruntergeladen werden kann. Vorzug einer guten Html-Lösung – neben einer responsiven Seitengestaltung – wäre, daß in die Gesamtdatei kleine Vorschaubilder eingebunden werden, deren große Entsprechungen erst nach einer Reaktion des Betrachters geladen werden. Ein weiterer Nachteil solcher PDF-Kataloge ist die Beschränkung auf wenige Bilder, zum einem aus obigem Grund, zum anderen des Platzes wegen. So sind sie zwar Ersatz des gedruckten Kataloges, aber kaum Fortschritt in Bezug auf die Vielzahl von Möglichkeiten, die das Internet bietet.
    Bei der Gestaltung des Kataloges sollte zukünftig bedacht werden, daß zu lange Zeilen schwer zu verfolgen sind; die Schriftgröße der Kommentare neigt bereits in den gedruckten Messekatalogen dazu, ins Unscheinbare abzugleiten; beim PDF läßt sie sich zumindest vergrößern; allzu kleine Schriften scheitern eh an der Bildschirmauflösung, nicht nur an den Augen älterer Leser. Hervorzuheben ist, daß beim vorliegenden Katalog nicht zwei (Druck-) Seiten nebeneinander liegen wie bei den PDFs der bisherigen Messekataloge, sondern immer nur eine, was die Lesbarkeit auch auf kleineren Bildschirmformaten stark verbessert.

    3 Der Html-Katalog
    Die Eingangseite zeigt eine Vielzahl kleiner Bilder, deren Zeilen, da das Webdesign nicht responsiv ist, bei kleineren Bildschirmformaten rechts abgeschnitten werden. Hier sollte nachgebessert werden; eine Tabelle (table) und Tabellenzeilen (tr) zu verwenden, ist anachronistisch und unflexibel.
    Diese Überzahl ist eher verwirrend als animierend. Es ist mir wenig einsichtig, warum ein Besucher auf Bilder klicken sollte, die dermaßen klein sind, daß ihre Aussagekraft gegen Null tendiert. Bei den heutigen Möglichkeiten sollten sie, wenn sich der Mauszeiger darüber bewegt, wenigstens vergrößert werden.
    Das Sachregister ist nützlich, die meisten angebotenen Werke sind mehreren Kategorien zugeordnet, was das Stöbern erleichtert. Noch besser wäre es, hätten den einzelnen Einträgen in diesen Sachlisten jene unter „Aus Kapitel“ befindlichen Verweise auf weitere Gebiete hinzugefügt werden können, die sich jedoch nur bei den einzelnen Händlern unter ihren Büchern befinden, wohl um von diesem Antiquar wegzulocken.
    Die Suchfunktion ist einfach und hinreichend, eine Volltextsuche.
    Warum sich, klickt der Leser auf das kleine „mehr“ am Ende des gekürzten Eintrages ein neues Minifenster, das von der Textfülle quasi erschlagen wird, öffnet, ist mir wenig einsichtig. Noch unverständlicher ist, warum sich Minibilder in diesem Minifenster nach Daraufklicken in eben diesem öffnen, das jedoch nur die Option „schließen“ bereitstellt, kein „Zurück zur Beschreibung“. Klickt der Benutzer neben das Fenster, was bei der Größe nicht unbedingt schwerfällt, ist es sofort weg, und er darf den Versuch von neuem starten. Auch sollte sich das Fenster – wenn schon nicht dem Textumfang – wenigstens der Bildgröße anpassen, damit scrollen fortfällt; ein wenig Javascript würde hier schnell Abhilfe schaffen.
    Ein weiterer Nachteil des Html-Kataloges ist, daß die manchen Bucheinträgen beigegebenen Links hier nicht anklickbar, sondern nur kopierbar sind. Links sind eine Grundfunktion des Internets: ohne sie kein Netz.
    Die verwendeten Schriften sind ohne Grund unterschiedlich. Suchergebnisse werden in einer Festbreitenschrift dargestellt, anderes in serifenloser Proportionalschrift („verdana, arial, georgia, sans-serif“).
    Während die den Fernabsatz betreffenden rechtlichen Vorschriften im PDF berücksichtigt sind, habe ich dergleichen im Html-Katalog vermißt.
    Der Html-Katalog präsentiert sich also als nutzbar, aber in seinen Einzelheiten zu wenig durchdacht. Warum die Seiten immer noch → Frames verwenden, scheint mir nur noch vom antiquarischen Standpunkt aus nachvollziehbar.

    4. Resümee
    Zu einer Zeit, in der Sammeln und ein wohlgefüllter heimischer Bücherschrank nicht mehr selbstverständlich sind, sollte jeder gemeinsame Katalog mehrerer Antiquare (wie jede Homepage eines Antiquariats) auch ein Anreiz, ein Anleitung sein, damit zu beginnen. Gerade in solch einer Vielfalt des Angebotes gilt es, jene Wege, Leitgedanken und Perspektiven aufzuzeigen, durch die sich suchender Blick wie abwägende Erfahrung zu vertiefen vermögen.
    So läßt sich sagen: Gleich ob der Gemeinschaftskatalog „50 online“ für alle Beteiligten ein geschäftlicher Erfolg wird oder nicht, er ist auf jeden Fall eine gute Werbung für die teilnehmenden Antiquariate und, soweit verfügbar, deren Homepages. Hoffen wir, daß einige unserer Kunden ihr lang Gesuchtes finden, andere sich überraschen lassen werden.

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