Bücher wurden einige Jahrhunderte lang auf Papier gedruckt. Wie lange dauerte es, bis die jungfräulich weißen (blaugetönten, cremefarbenen…) Bogen von der Papiermühle bei der Druckerei ankamen, um dort mittels schwarzer Zeichen verunstaltet zu werden?
Als Beispiele habe ich drei Drucke von Shelleys „Alastor“ ausgesucht, die Erstausgabe sowie zwei spätere, die während des Shelley revivals entstanden und von denen wenigstens jeweils eine Teilauflage auf Whatman paper mit Wasserzeichen gedruckt wurde.
Da das Wasserzeichen bei Oktavlagen meist in einem Falz zu liegen kommt, bitte ich die Aufnahmen des Velinpapieres (wove paper) der editio princeps mit Nachsicht zu betrachten. Das Papier der unaufgeschnittenen Lagen der Dobell-Ausgabe ist so steif, daß ich das Wasserzeichen nicht photographieren kann; hier liegt seine Schriftrichtung parallel zum Buchrücken.
Shelley, Percy Bysshe: Alastor; or, the Spirit of Solitude: and Other Poems. London: Printed for Baldwin, Cradock, and Joy, and Carpenter and Son: By S. Hamilton, Weybridge, 1816. (= Granniss 32; Wise 42)
Shelleys Vorwort ist auf den 14. Dezember 1815 datiert, am 16. Januar des folgenden Jahres sandte er bereits fertige Bögen an John Murray (Letter CCLXV): das Buch muß also in dieser relativ kurzen Zeit bereits größtenteils fertig gewesen sein, ein dem Text womöglich nachgesandtes Vorwort eingerechnet. Das Wasserzeichen des Whatman wove paper nennt uns „1812“ als Datum seiner Schöpfung, es hat also einige Weile seiner Weiterverwertung geharrt. Es handelt sich um ein gelblich-cremefarbenes Velin, das leicht zu blättern ist, gut in der Hand liegt, es ist noch nicht so glatt wie die späteren Papiere der Langsieb- bzw. Rundsiebmaschinen, seine Ränder gleichen denen von Büttenpapieren.
Bei den folgenden Drucken wurde jeweils eine Teilauflage auf Whatman paper gedruckt. Beide Male wurde ein klanghartes, weißes Papier verwandt, was wohl dem Zeitgeschmack geschuldet ist.
Buxton Forman ließ seine reich annotierte Edition auf Bütten (laid paper) drucken. War man die ersten Jahre nach Einführung des relativ glatten Velins noch von dieser Neuerung angetan, sehnten sich spätere Generationen, abgeschreckt durch die immer glatter und unpersönlicher werdenden Langsieb- und Maschinenpapiere, nach der Struktur des alten Bütten zurück: gleichsam als Gewähr für die am Prozeß beteiligte Hand des Schöpfers.
Dobells Ausgabe hingegen folgt dem Original und verwendet wieder Velin, obgleich ein wesentlich festeres. Es handelt sich hierbei um ein type facsimile, also einen Neusatz mit fast identischer Type und mit dem des Originals übereinstimmendem Zeilenfall.
Shelley, Percy Bysshe: Alastor; or the Spirit of Solitude, &c. Edited, with notes, by H. Buxton Forman, and printed for private distribution. MDCCCLXXVI. London: Privately Printed, 1876. One of 25 copies printed on laid paper with the watermark “J Whatman | 1876”, of a total edition of 80 copies. (= Granniss p. 40 – Wise 43)

Shelley, Percy Bysshe: Alastor; or, the Spirit of Solitude: and Other Poems. A Facsimile Reprint of the Original Edition First Published in 1816. London: Chiswick Press for Reeves and Turner and Bertram Dobell, 1885. One of 50 copies printed on wove paper with the watermark “J Whatman | 1884”, of a total edition of 404 copies. (= Granniss p. 40 – Wise 44)
Wie man den Jahreszahlen entnehmen kann, hat sich die Spanne zwischen Papierherstellung und Druck verringert.
Es ist schön, wenn Papierschöpfer und Buchbinder auf ihre Leistungen so stolz sind, daß sie sie mit ihrem Namen versehen.

