Archiv für Februar, 2012

Lean Production?

26. Februar 2012

Bücher wurden einige Jahrhunderte lang auf Papier gedruckt. Wie lange dauerte es, bis die jungfräulich weißen (blaugetönten, cremefarbenen…) Bogen von der Papiermühle bei der Druckerei ankamen, um dort mittels schwarzer Zeichen verunstaltet zu werden?
    Als Beispiele habe ich drei Drucke von Shelleys „Alastor“ ausgesucht, die Erstausgabe sowie zwei spätere, die während des Shelley revivals entstanden und von denen wenigstens jeweils eine Teilauflage auf Whatman paper mit Wasserzeichen gedruckt wurde.
    Da das Wasserzeichen bei Oktavlagen meist in einem Falz zu liegen kommt, bitte ich die Aufnahmen des Velinpapieres (wove paper) der editio princeps mit Nachsicht zu betrachten. Das Papier der unaufgeschnittenen Lagen der Dobell-Ausgabe ist so steif, daß ich das Wasserzeichen nicht photographieren kann; hier liegt seine Schriftrichtung parallel zum Buchrücken.

    Shelley, Percy Bysshe: Alastor; or, the Spirit of Solitude: and Other Poems. London: Printed for Baldwin, Cradock, and Joy, and Carpenter and Son: By S. Hamilton, Weybridge, 1816. (= Granniss 32; Wise 42)
    Shelleys Vorwort ist auf den 14. Dezember 1815 datiert, am 16. Januar des folgenden Jahres sandte er bereits fertige Bögen an John Murray (Letter CCLXV): das Buch muß also in dieser relativ kurzen Zeit bereits größtenteils fertig gewesen sein, ein dem Text womöglich nachgesandtes Vorwort eingerechnet. Das Wasserzeichen des Whatman wove paper nennt uns „1812“ als Datum seiner Schöpfung, es hat also einige Weile seiner Weiterverwertung geharrt. Es handelt sich um ein gelblich-cremefarbenes Velin, das leicht zu blättern ist, gut in der Hand liegt, es ist noch nicht so glatt wie die späteren Papiere der Langsieb- bzw. Rundsiebmaschinen, seine Ränder gleichen denen von Büttenpapieren.

Zweite Hälfte des Whatman Wasserzeichens

Erste Hälfte des Whatman Wasserzeichens
   

    Bei den folgenden Drucken wurde jeweils eine Teilauflage auf Whatman paper gedruckt. Beide Male wurde ein klanghartes, weißes Papier verwandt, was wohl dem Zeitgeschmack geschuldet ist.
    Buxton Forman ließ seine reich annotierte Edition auf Bütten (laid paper) drucken. War man die ersten Jahre nach Einführung des relativ glatten Velins noch von dieser Neuerung angetan, sehnten sich spätere Generationen, abgeschreckt durch die immer glatter und unpersönlicher werdenden Langsieb- und Maschinenpapiere, nach der Struktur des alten Bütten zurück: gleichsam als Gewähr für die am Prozeß beteiligte Hand des Schöpfers.
    Dobells Ausgabe hingegen folgt dem Original und verwendet wieder Velin, obgleich ein wesentlich festeres. Es handelt sich hierbei um ein type facsimile, also einen Neusatz mit fast identischer Type und mit dem des Originals übereinstimmendem Zeilenfall.
   
    Shelley, Percy Bysshe: Alastor; or the Spirit of Solitude, &c. Edited, with notes, by H. Buxton Forman, and printed for private distribution. MDCCCLXXVI. London: Privately Printed, 1876. One of 25 copies printed on laid paper with the watermark “J Whatman | 1876”, of a total edition of 80 copies. (= Granniss p. 40 – Wise 43)

Whatman 1876
   
    Shelley, Percy Bysshe: Alastor; or, the Spirit of Solitude: and Other Poems. A Facsimile Reprint of the Original Edition First Published in 1816. London: Chiswick Press for Reeves and Turner and Bertram Dobell, 1885. One of 50 copies printed on wove paper with the watermark “J Whatman | 1884”, of a total edition of 404 copies. (= Granniss p. 40 – Wise 44)

    Wie man den Jahreszahlen entnehmen kann, hat sich die Spanne zwischen Papierherstellung und Druck verringert.
    Es ist schön, wenn Papierschöpfer und Buchbinder auf ihre Leistungen so stolz sind, daß sie sie mit ihrem Namen versehen.

Flohmarkt & Markt

21. Februar 2012

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: selbst ein Flohmarkt ist ein Markt, das heißt, was auf ihm stattfindet gehorcht den Regeln von Angebot und Nachfrage.
    Zahllos sind mittlerweile die Beschwerden über Preisverfall, Bildungsmangel und nachlassende Wertschätzung des Buches. Auch hier fanden sie statt, zurecht, denn ein Niedergang ist stets traurig; Kulturzerfall am Ende einer Epoche trifft zuerst jene, die noch Teil jener alten Kultur sind. Und meist ist es zu spät, bemerkt die Mehrheit, was verloren ist: dann ist es verloren und unwiederbringlich.
    In den alten Zeiten der Kataloge konnte die Knappheit eines sporadischen Angebotes die Nachfrage nicht immer vollständig bedienen: daraus resultierten Preisstabilität und Seltenheitswert, selbst bei Büchern des 20. Jahrhunderts, die – von Ausnahmen abgesehen – so selten nicht sind. Die Sammler zählten um die 30 bis 50 Jahre ihres Lebens, hatten meist einen guten Schulabschluß hinter sich, viele Studienabschluß, kurz, sie gehörten zu einer Elite. Geldprobleme betrafen mehr die jüngeren unter ihnen, die Anfänger, die noch nicht zu Amt und Wohlstand aufgerückt waren. Andererseits hatte der Antiquar in kataloglosen Zeiten mit einem Absinken des Dukatenpegels in seinem Geldspeicher zu rechnen. Ankäufe mochten bisweilen den letzten Heller und selbst den ersten selbstverdienten Pfennig verschlingen.
    Das Internet hat, wie bereits öfters konstatiert, diese Relationen verändert. Das Angebot ist nicht mehr sporadisch, auf die monatlich oder vierteljährlich erscheinenden Kataloge beschränkt, sondern stets und ubiquitär vorhanden. Nun ist die Menge des Gedruckten erschlagend, das was früher vereinzelt je nach Anbieter, Empfänger und Liste in die Häuser flatterte, kann durch jeden jederzeit eingesehen werden. Der Seltenheitswert mancher Bücher ist gesunken auf den Stand aller zu einem willkürlich gewählten Zeitpunkt erhältlichen Exemplare; und da sich die Kunden nicht proportional zu dieser virtuellen Angebotsvermehrung vermehrten, sank mit der Seltenheit der Bedarf.
    War die Preisabwärtsspirale erst einmal in Gang gesetzt von Antiquaren, die mehr und mehr wurden, da es nun so einfach war, Altbuchhändler zu sein, ohne Kataloge, ohne Kundenstamm, ohne Kenntnisse (denn die stellten ja die ‚alten’ erfahrenen Kollegen gratis im Netz zur Verfügung), stellten die Sammler sich vor ihre Bücherwände, blickten in die alten Kataloge oder die Katalogschnipsel in den Büchern, sahen die alten Preise, zu denen sie gekauft hatten, sahen die neuen Preise im Netz und stellten fest, daß das Büchersammeln als Kapitalanlage versagt hatte.
    Da nun in beinah jedem Sammler ein kleines Stück Händler steckt, das ihn mindestens zeitweilig zum kühlen Rechner wandelt, betrübte dies die Bücherliebhaber: ihre Geliebten befanden sich zwar nicht im freien Fall, doch im Sinkflug; glücklich blieben nur jene, die stets der Schönheit und ihrer Leidenschaft wegen angehäuft hatten.
    Ein klassischer Fall: Überangebot zeugt Preisverfall, Preisverfall zeugt Kaufunlust, zeugt weiteren Preisverfall, zeugt Anbietersterben, zeugt Käuferschwinden.
    Wären wir nicht betroffen, könnten wir uns daran erfreuen, wie gut die Regeln der Marktwirtschaft funktionieren.
    Doch leisten wir etwas: wir kollationieren, vergleichen unser Exemplar mit anderen, bestimmen Einbände, bibliographieren, stellen Abweichungen und Gemeinsamkeiten fest, wir beraten unsere Kunden, bewerten Bücher – wir sind Fachleute, Spezialisten, deren Dienste zwar nur für eine Minderheit von Bedeutung sind, aber nichtsdestoweniger bedeutsam für das Aufarbeiten und Interpretieren unserer kulturellen Vergangenheit. Wir sollten uns nicht kleiner machen, als wir sind.
    Dies sind vorwiegend individuell anzugehende und zu lösende Aufgaben. Ich schätze, niemand sollte sich dabei mehr als unbedingt notwendig auf Gemeinschaften, Organisationen, Messen (die, so scheint es, eh von Büchertagen abgelöst werden) und dergleichen verlassen, außer daß jeder sich einbringt, wo er grad ist – und wenn dies Facebook oder G+ sind.
    Andererseits: wenn wir einsehen, im bibliophilen Bereich ein Nischenangebot zu vertreten, das massentauglich nicht ist, nie war, nie mehr sein wird, sondern eher nischiger werden; wenn wir uns fachlich auf das besinnen, was unseres Faches ist: die Kenntnis nämlich, das Gespür für Ästhetik und Material; wenn wir dies mit unseren Beschreibungen, Bildern und Kundengesprächen zu vermitteln in der Lage sind, dann könnten wir Antiquare in Symbiose mit unseren Sammlern zu kleinen Zahlen weiterexistieren.

    PS.
In dem, was ich im letzten Absatz zu beschreiben versuche, scheinen mir die amerikanischen Kollegen weiter fortgeschritten als wir.

Umsonst ist nicht umsonst

16. Februar 2012

Es ist immer wieder bemerkenswert, wie wenig ‚normale’ Menschen von Wirtschaft, Geld und Handel verstehen, Themen, die in der Schule pfleglichst übergangen werden, denn, falls doch unterrichtet und sogar verstanden, könnten die erwachsenen Bürger mündig werden und über staatliche Mißwirtschaft und Schuldenstand nachdenken.
    Doch zurück zu unserer kleinen Perspektive als Altbuchhändler. Ich möchte mich heute nicht mit dem Ankauf von Anbietern beschäftigen, die der Meinung sind, der auf einer Plattform ermittelte oder ergooglete Preis müsse genau das sein, was sie davontragen – obwohl viele dieser Ansicht zu sein scheinen: niemand lebt von Luft allein.
    Ich kam auf dies Thema, weil ich vorhin die Werbung einer internationalen Plattform las: „Warum Porto zahlen, wenn es auch ohne geht?“ Ja, warum? Ganz im Ernst; glauben Sie solchen Unfug? Der Händler, jeder Händler bezahlt Einkommenssteuer, führt die MwSt ab, bezahlt die Miete, das Recyling seiner Verpackungen, bezahlt die Paketmarke oder Briefmarke, die Noppen, die Papphüllen, selbst die Bücher, der er versendet, hat er irgendwann bezahlt, wie den Computer, die Regale etc etc. Ergo: das Porto ist in jedem Fall eingerechnet, gleich ob es getrennt ausgewiesen wird oder im Gesamtpreis enthalten ist.
    Optisch sieht es besser aus: Porto 0 €. Sinnvoll ist es, weil es dem Käufer die Entscheidung einfacher macht: es ist der Preis, wie er dort steht, zu begleichen, Nebenkosten, MwSt sind enthalten. Aber sparen tut der Käufer so nicht.
    Und um zugleich mit einem anderen Vorurteil aufzuräumen: billig muß es sein, immer das günstigste Angebot nehmen. Nein, das beste Exemplar des gesuchten Buches, jenes, das Ihnen, werter Sammler die größtmögliche Freude bereiten wird.
 

    REM. Dasselbe gilt, im Großen, für die Wahlgeschenke: sie zahlt der Steuerzahler, direkt nach der Wahl per Steuern oder später über die Staatsschulden; es gilt für alle Gratisangebote, Rabattmarken und was dergleichen mehr ist: man zahlt dafür.

Valentines can’t buy her

14. Februar 2012

Beinah ist dieser schreckliche Unfeiertag verflossen, das erlaubt mir, ein paar Gedanken zu fassen, welche Möglichkeiten es für den Bibliophilen gibt, die Liebste angemessen zu verärgern.
    Machen wir es kurz und schmerzlos:
    Ist sie weichherzig und dem Träumen zugeneigt, sollte eine angemessen würdevoll ausgestattete Ausgabe der „Philosophie im Boudoir“ genügen. Dies ist ein praktisches Werk, ein Handbuch der Pädagogik, Erziehungshilfe für jedermann, besonders für die Mütter und ihre Töchter, vorausgesetzt die Leserschaft hat die 18 überschritten und ist etwas leidensfähig.
    Den romantischen Gemütern unter uns seien entweder Swinburnes „Poems and Ballads, First Series“ oder Crowleys „White Stains“ ans Herz gelegt. Zu letzterem etwas Fleckenentferner beigeben, zu erstem bei der Übergabe „Fragoletta“ rezitieren. Swinburne ist die stärkere Kost, abgelagert und immer noch sinneverwirrend.
    Auf keinen Fall sollte der Geber seine literarische Bildung zu beweisen suchen, indem er zu Mitteln wie Ovid, Fanny Hill oder Réage greift. Jeder kennt sie, das gehört zum Alteisen unter den Erotica.
    Meint der Geber es wirklich ernst und will die Liebste weiterhin als solche bei sich halten, so möge er zu einer Ausgabe von „Leonce und Lena“ greifen, nichts ist herzzerreißender als dieser Dialog: „Rosetta: So liebst du mich aus Langeweile? – Leonce: Nein, ich habe Langeweile, weil ich dich liebe. Aber ich liebe meine Langeweile wie dich.“
    Kann es ein schöneres, treffenderes Kompliment geben?

Das Schnorren als schöne Kunst betrachtet

4. Februar 2012

“The rest I dedicate to the Moon, who, by the bye, of all the Patrons or Matrons I can think of, has most power to set my book a-going, and make the world run mad after it” (Tristram Shandy, 1,IX.).
    Welch wunderbarer Brauch ist uns abhanden gekommen: die Widmung des Geldes wegen. Heute wird Geschreibsel der Geliebten gewidmet, was kurzweilig und kurzlebig ist, da sie morgen schon anders heißen mag, was die Widmung obsolet werden läßt, daß ihr mit dem Abfassen eigentlich eine Halbwertszeit in Stunden oder Tagen gebührte – oder gleich dem Lieblingsfeind, den der Verfasser auf den literarischen Tod nicht ausstehen mag, und somit mit ins Verderben reißen möchte.
    Als die Literaten noch nicht von ihren Verlagen reich gemacht (seltenst) oder arm gelassen wurden, im Stich meist auch – damals fanden sie, wie es selbst heute noch üble Gewohnheit ist, den Zustand ohne Nahrungsmittel und Getränke, denjenigen also der gemeinhin Hunger und Abstinenz genannt wird, unerfreulich, magenknurrig und wenig beschwingt. Die Muse mag den Nüchternen nicht, und um dies zu ändern, bedarf es gewisser Summen, die selbst in Zeiten niedriger Geld- & Geistentwertung nicht unbeträchtlich sind. Da sprang gegen etwas Lobhudelei der Widmungsempfänger hilfreich zur Seite und ermöglichte des Autors Überleben bis zum nächsten Kapitelende, kurze Kapitel vorausgesetzt.
    „Maecenas, atavis edite regibus, o et praesidium et dulce decus meum…“ Das Altertum mochte eine gewisse Übertreibung; dünkten die Kaiser sich bereits unverschieden göttlich genug, sich möglichst ubiquitär mittels Marmor zu verteilen, wollten die Dichter nicht nachstehen und vergöttlichten ihren Sponsor mindestens bis zur höheren Dämonenebene. Doch Horaz war gewissermaßen treu: neben seinem Maecenas hatte er keinen anderen Mäzen, trotz der damals heidnischerweise üblichen Vielabgötterei.
    Andere antike Literaten überlebten mittels eines überschaubar großen Bekanntenkreises, von dem sie sich zu seinen Gastmählern einladen ließen, um sich dort vollzuschlagen, und wo sie des Weines voll selbst die Belesenheit eines Trimalchio zu überstehen vermochten.
    Wer klug war, schaltete einen Herausgeber zwischen sich und den Hoffnungsträger, so daß jener nicht allein letzterem als „the only begetter“ huldigen mochte, sondern gleichfalls, mit selbem Federstrich, dem Dichter mit einem bescheidenen „our ever living poet“ – was in diesem Falle uns aus heutiger Sicht so falsch garnicht vorkommt.
    Spätere Generationen waren nicht mehr so glücklich, sie bedurften, um über die Runden zu kommen, einer Vielzahl von Widmungsempfängern, dies bedeutete Risikostreuung: zeigte sich der eine unspendabel, gab vielleicht der andere etwas Lebensunterhalt her. Ein wenig Stöbern im VD17 gibt Einblick in die barocke Widmungslust, so ist z.B. Heckels Werk über den Kuß (VD17 12:107154H) gleich sechs Personen zugeeignet. Hoffen wir nachträglich, daß wenigstens einige von ihnen sich nicht bloß mit zurückgeworfenen Küssen erkenntlich zeigten. Im Kopf trage ich ein anderes verflossenes (da verkauftes) Buch mit mir herum, dessen Kapitel jeweils verschiedenen Personen meist höfischen Ranges gewidmet waren, und untersage mir stillschweigend, Vermutungen über den verfasserlichen Bedarf an goldenen Gulden oder dergleichen anzustellen.
    O tempora, o mores! The Times They Are A-Changin’: Wie könnte diese schöne Kunst der einfühlsamen Schmeichelei wiederbelebt werden, heute, da die auf Bibliothekarisch schlicht ‚Widmungsempfänger’ genannten Damen und Herren nur noch Empfänger sind, wohlgemeint, der Zuwendungen anderer, die sie dankbar zu ihrem Vorteil annehmen, da sie selbst, wie selbstverständlich lieber Gaben aller Art entgegennehmen, als diese zu vergeben. Verbale Huldigungen stehen niedrig im Kurs; günstige Kredite, kleine wohlfeile Reisen, kurz, ein Leben auf anderer Leute Kosten – das ist angesagt. Da muß der Literat zurücktreten, den Massengeschmack treffen und sein Heil in der billigen Veröffentlichung per 99-Cent-E-Buch suchen.
   
    Völlig anderes gilt selbstredend für handschriftliche Widmungen: handelt es sich doch hierbei entweder um Gefälligkeiten, weil der Autor ein Exemplar zugesandt erhielt, und, da Rückporto beilag, seinem Verehrer oder wertsteigerungsbedüftigem Ebayer demzufolge die paar Wörter samt drei Kreuzen nicht verwehren mochte; oder um Restexemplare, die endlich, um sie loszuwerden, aushäusig vergeben einiger Wörter der Erklärung bedurften.
    Niemand gibt Geld für solch einen Gefälligkeitskrakel, außer den spätgeborenen Verehrern des Dichters, die sich eines Abglanzes seiner Aura bemächtigen wollen (1). Böse Zungen mögen einwenden, so habe der Autor post mortem noch seinen Mäzen gefunden, aber dies ist unwahr, denn von diesem Geld sieht er nichts, der höllische Mammon (erinnern wir uns: Hades ist auch der Gott des Reichtums) fließt in des Antiquars oder Vorbesitzers Taschen.
 

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Zutretende Fußnote:
    (1) Entweder handelt es sich hierbei um Überbleibsel der Platonischen Ideenlehre, der Neoplatonischen Emanationslehre, um die privatio boni, oder irgendeine andere Geisterhierarchie, auf deren Stufen der dichterische νοῦς absteigt, bis er zu gefälliger Schrift auf Papier geworden ist.
    Andererseits: Fetisch ist und bleibt Fetisch – möge uns Büchernarren dies als Rechtfertigung genügen.

Der Kelmscott Chaucer im Video

2. Februar 2012

The Works of Geoffrey Chaucer – The Kelmscott Chaucer – Edward Burne-Jones & William Morris.

Eins der schönsten Bücher, die je gedruckt wurden.

Der kurze Film zeigt die Illustrationen des Kelmscott Chaucer sowie Vergleichsabbildungen. Er ist kein Ersatz für das Original, ich hoffe, er erfreut dennoch den einen oder anderen.

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