Ein schlecht geschriebener → Artikel im Börsenblatt online bringt mich dazu, einige an sich überflüssige Überlegungen anzustellen.
Antiquar ist nicht gleich Antiquar, dafür sorgt schon die Qualität des Angebotenen. Wie logisch. Um es an Personen festzumachen: Bernard Breslauer kann mit dem Flohmarkttypen, so sympathisch er auch sein mag, nicht auf eine Stufe gestellt werden.
Da muß man nicht erst Lukians „ungelehrten Büchernarren“ lesen, um zu wissen, daß Antiquare nicht gelehrt sein müssen, manchmal noch nicht einmal Kaufmann.
Gelehrt ist eh ein Topos, den es im Zeitalter des Fachwissens zu vermeiden gälte. Die Wissenschaftler haben immer weniger Allgemeinwissen, dafür immer tiefergehendes Spezialwissen innerhalb eines Fachgebietes.
Anders der Antiquar: zum einen benötigt er ein fundiertes Allgemeindrittelwissen, von jedem etwas, von Latein bis Raumfahrt. Und wenn ihm ein Werk unter die Finger gerät, das ihm unverständlich ist, dann muß er wissen, wo er nachschlagen kann.
Dazu darf, soweit es nicht berufshinderlich wird, ein Fachwissen treten, zum Beispiel über Einbände, Einbandkunde, wie der genannte Breslauer (möge er einen Ehrenplatz in der ewigen Bibliothek einnehmen).
Und, berufserschwerend kommt hinzu, daß heute viel mehr Nichtfachwissen verlangt wird, als es je zuvor der Fall gewesen ist. Da sind zum einen die immer neuen Gesetze und Verordnungen, die umgesetzt werden wollen, um Abmahnungen zu vermeiden. Zum anderen jene Kenntnisse, die das Überleben im Internetz gewährleisten: Eingeben von Titeln in Datenbanken, Übermitteln der Daten an diverse Plattformen, Gestalten und Verwalten der eigenen Angebotseite im Netz.
Schließlich, last, not least (King Lear sagt es, wie passend): die ‚tragischen’ Fälle, das sind die Antiquare, die an Bücher kommen, die ihr Wissen und Können übersteigen, und die Antiquare, die nur Bücher besitzen, für die all ihr Wissen zuviel ist.
Von den ungemein sympathischen Immerbesserwissern, die vor allem in Internetzforen auftreten und nach drei Monaten Berufs-‚Erfahrung’ allen Belehrungen erteilen, möchte ich dezent schweigen.