Archiv für April, 2009

Angebotsbündnis unabhängiger Antiquariats-Homepages

28. April 2009

Antiquariate, die eine eigene Angebotseite betreiben und auf dieser Rabatt gegenüber ihren Preisen auf den Plattformen gewähren oder die Ware versandkostenfrei liefern, möchten in ihren Blogs mit Links aufeinander hinweisen.

Wer an dieser Aktion aktiv mit seinem Blog oder auch nur passiv als Antiquariat teilnehmen möchte, sende bitte die Informationen (Antiquariatsname, URL, Rabattinfo/Preisreduzierung, Versandkosteninfo, Blogadresse, Spezialgebiete) an das Antiquariat Rainer Friedrich Meyer, → info@meyerbuch.com

Für Nachzügler werden die Listen auf den teilnehmenden Blogs aktualisiert.

Die ersten Teilnehmer:

In dieser ersten Liste des Angebotsbündnisses haben sich bereits die verschiedensten Antiquariate zusammengefunden, beinah die ganze Bandbreite des Gewerbes:
vom Gebrauchsbuch bis zur bibliophilen Ausgabe, vom Buch der Renaissance bis zu dem des 21. Jahrhunderts, vom Holzschnitt bis zur Photographie.

Im direkten Geschäftskontakt mit den Antiquaren sparen die Kunden nicht allein die Provisionsgebühren für Plattformen, sondern sie werden, so sie das wünschen, persönlich beraten.

Es ist ein spannendes Gewerbe, in dem die Antiquare von den Kunden lernen, bisweilen auch die Kunden von den Antiquaren, in dem gedanklicher und fachlicher Austausch stattfindet – in dem nicht nur Bücher über den Ladentresen geschoben werden, sondern Kultur sowie Geistesgut neue Besitzer finden.

Darum, weil es uns immer wieder Freude bereitet, den Umgang mit Büchern zu pflegen, möchten wir in dieser Form auf uns hinweisen.

[Die angegebenen Versandkosten, Rabatte und günstigeren Preise beziehen sich auf Bestellung über die jeweilige Angebotsseite des Antiquariates.]

ANGELIBRI – Rudolf Angeli. 10% Rabatt. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Erstausgaben, SF, Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft.

Die Bücher-Berg – Antiquariat Martina Berg. 10% Rabatt auf alle Preise bei Dirketbestellung über meine Homepage. Spezialgebiete: Wirtschaft, Sammler-Literatur, Alles Alte aus Papier.

Antiquariat Bergische Bücherstube. Preise 3 bis 13% günstiger als mein Angebot auf den Plattformen. Spezialgebiete: Architektur, Buchwesen, Geschichte, Orts- u. Landeskunde.

Antiquariat Brandel. 10% Rabatt. Spezialgebiete: DDR-Verlage, Friedrichshagener Dichterkreis, DDR-Kunst.

Comenius-Antiquariat. Ca. 10% tiefere Preise im Vergleich zu den Angeboten auf anderen Plattformen. Stammkundinnen und -kunden werden portofrei beliefert.

Antiquariat – Gerald Hermann Franke. 10% Rabatt.

Versandantiquariat Handel & Wandel – Uta Grafe. Angebote nur auf der Homepage, nicht auf Plattformen. Versandkostenfrei innerhalb Deutschlands. Spezialgebiete: Landwirtschaft, Technik, Naturwissenschaften 19. und 20. Jh., vorrangig deutsch- und englischsprachig.

Antiquariat Hecht. Preise um 10% günstiger gegenüber Angebot auf anderen Plattformen. Spezialgebiete: Geisteswissenschaften, Ostfrisica, Insel-Bücherei.

Meteorologie-Antiquariat Michael Heß. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Wetter und Klima, Musikinstrumente.

Antiquariat Ruth Jäger. Spezialgebiet: Anthroposophie. Versandkostenfrei in Deutschland bis 1000g.

Wolfgang Kistemann – Antiquariat für Occulta & Masonica. Angebote nur auf der Homepage, nicht auf Plattformen. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Occulta, Freimaurerei, Alchemie, Religionswissenschaften.

Antiquariat Magister Tinius. Jedes Buch bei Direktbestellung mit 10 % Rabatt. Spezialgebiete: Literatur, Kunst, Sozialwissenschaften, Studentenbewegung.

Antiquariat Rainer Friedrich Meyer. Preise um mindestens 10% günstiger als meine Angebote auf den Plattformen. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Alte Drucke, Pressendrucke, Einbände, Geisteswissenschaften.

Antiquariat Moments. 10% Rabatt, bei Mehrfachbestellungen 15% Rabatt. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei bis 1000 Gramm. Spezialgebiete: Theologie, Religionswissenschaften, Kirchengeschichte.

Antiquariat Orban & Streu. Die Bücher auf unserer Homepage sind 5% günstiger als auf den Plattformen. Spezialgebiete: Sachbücher und Belletristik des 20. und 21. Jahrhunderts.

Antiquariat Otto W. Plocher. Homepage in Vorbereitung.

Antiquariat Solder. Mindestens 10% günstiger als mein Angebot bei anderen Plattformen. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Altphilologie, Philosophie, Kunstwissenschaften, Bibliophilie.

Versand-Antiquariat Michael Stein. Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Spezialgebiete: Film und Kino.

Theodor-Storm-Antiquariat. Preise um 10% günstiger als unsere Angebote auf den Plattformen.

Antiquariat Weinbrenner – der Bücherhof. Preise um 10% günstiger als unsere Angebote auf den Plattformen. Spezialgebiet: Franconica.

Wimbauer Buchversand. 10% Rabatt bei Direktbestellung per Mail mit Verweis auf Rabattaktion.

Versandantiquariat Wolter. 10% Rabatt auf alle Artikel bei Direktbestellung (Mail oder Telefon). Ab 40 Euro versandkostenfrei im Inland; ab 100 Euro versandkostenfrei ins Ausland.

Wolff’s Bücherei, ein Gastbeitrag von Dr. Henning Scheffers

26. April 2009

zu dem Artikel → „Die Schmökerinsel“ von Verena Hasel, im Tagesspiegel vom 21.04.2009

Ihr Artikel vom 21.April über Wolff’s Bücherei in Friedenau bedarf einer Korrektur und Ergänzung. Nach der ausführlichen Darstellung der Geschichte einer „literarischen Legende“ unter dem Gründer Andreas Wolff folgt die zutreffende Darstellung, daß ab den siebziger Jahren „die Buchhändlerinnen Barbara Stieß und Helga Steinhilber das Geschäft in seinem Sinne weiterführten“. Was dann folgt, ist nicht nur taktlos, sondern eine Abwatsche und Rufschädigung, die mit dem Alter oder der Uninformiertheit der Verfasserin nur unzureichend zu erklären und ganz und gar nicht zu entschuldigen wäre. Statt auf die über Jahrzehnte hin das literarische Leben nicht nur in Friedenau prägende Tätigkeit der beiden Buchhändlerinnen einzugehen, beläßt die Verfasserin es bei einigen Sottisen über angeblich zunehmenden Verfall („ging es bergab…“), elitäres Naserümpfen und „finanzielle Probleme“ der letzten Jahre. Was weiß Ihre Mitarbeiterin denn von den seit 1976 oft wöchentlich veranstalteten Lesungen fast aller namhaften Autoren der letzten Jahrzehnte, wohin Hunderte von Interessierten aus Ost und West strömten, oft nur noch vor der Ladentür Platz findend: von Johnson und Grass über Jean Améry, Patricia Highsmith, Rainer Kunze (gerade aus der DDR „entlassen“), Christa Wolff, Sarah Kirsch, Günter de Bruyn (die damals vor Mitternacht wieder „zurück“ sein mußten) bis zu Noteboom, Härtling, Meckel und Nizon, um nur einige zu nennen. Von den mitunter starkdeutsch und prächtig auftretenden Malern und Musikern zu schweigen. Diskussionsrunden und Tafelfreuden schlossen sich an. Freundschaften wurden geschlossen und leider auch Freunde begraben. Das alte Westberlin hat sich seit 1976 an kaum einer anderen Stelle so literarisch lebhaft gezeigt wie in dieser Buchhandlung! Eine brillante Fotogalerie und kostbare Gästebücher geben davon Zeugnis. Die beiden leitenden Damen arbeiteten oft bis an die Grenze der Belastbarkeit.

Warum sucht man eigentlich immer nur nach Autoren für die Vielzahl von Literaturpreisen?

Nur ein problematischer personeller Wechsel in den 90er Jahren und seine anhaltenden Folgen hat die traditionsreiche und engagierte Buchhandlung so manche Freund-und Kundschaft gekostet. So geschah auch der jetzige Namenswechsel – von „Wolff’s“ zu „Zauberberg“ – nicht freiwillig. Und der kürzlichen Neueröffnung konnte man mit Beklemmung ansehen, daß keiner von den früheren Akteuren und fast niemand aus dem einstigen literarischen und buchhändlerischen Berlin anwesend war. Eine Bestattung ohne Teilnahme. Wohl nicht grundlos.

Zu wünschen wäre schließlich ein gut recherchierter Artikel über Leben und Leistung in Wolff’s Bücherei in den letzten Jahrzehnten.

Henning Scheffers, Berlin-Schöneberg

meyerbuch.com

23. April 2009

Die Suchergebnisse auf → meiner Angebotseite werden nun der besseren erden nun der besseren Übersichtlichkeit wegen mit Absatzeinrückungen dargestellt.
Eigentlich ein Rückgriff auf meine ersten gedruckten Kataloge.
Ich hoffe, es sagt Ihnen zu.

Nachtrag: Vielen Dank für die Zuschriften. Es hilft immer weiter, die Meinung anderer zu vernehmen.
Einiges fand ich so berechtigt, daß ich es sogleich übernommen und die Darstellung in diesem Sinne abgeändert habe; ein oder zwei der erwähnten Kritikpunkte lasse ich noch ein Weilchen auf mich wirken, ehe ich mich entscheide.

Nachtrag zwei: Der Baum des Wissens und der Bücher auf → meiner Startseite strebt dem überall sprießenden Grün nach und blüht auf.

Prolibri & al.

19. April 2009

Nun ist es für Internetzzeiten schon recht lange her, daß die Genossenschaft der Internet-Antiquare, → GIAQ, in Berlin gegründet wurde. Anlaß dafür waren, soweit es mir in Erinnerung geblieben ist, eine Erhöhung der Verkaufsprovisionen beim ZVAB, eine gewisse Überheblichkeit dort, die vor allem auf eine Frau N. zurückging, und der Umstand, daß das → ZVAB nun plötzlich zum Kauf stand und zum 1. Januar 2002 an den Erwerber übergeben werden sollte.

Es gab damals zwei bis zweieinhalb Fraktionen: grundsätzlich eine neue Plattform für die Antiquare, das ZVAB übernehmen, es übernehmen und neu programmieren lassen.
Ein gewisser Herr Müller, seines Zeichens Antiquar, hatte das ZVAB bereits vorbesichtigt, sich dort angemessen beliebt gemacht, und meinte, die seiner Ansicht zum Erwerb erforderlichen Mittel dank seiner Hausbank vorstrecken zu können. Einen Tag nach der Gründungsversammlung der GIAQ rief er, nun aufgrund seiner Aussagen zum Aufsichtsratvorsitzenden aufgestiegen, zwei der drei ebenfalls frischgebackenen Genossenschaftsvorstände zu sich ins Savoy-Hotel und erklärte, der Preis des ZVAB sei über Nacht zu hoch geworden und er ziehe sein Angebot zurück. Trotzdem blieb Herr Müller noch bedenklich lange Aufsichtsrat der Genossenschaft.
Daneben gab es selbstverständlich andere Gruppen Antiquare, die zu jener Zeit einen ZVAB-Erwerb zumindest in Erwägung zogen.
Trotzdem, es war falscher Alarm, das Kaufangebot wurde seitens der → Besitzer des ZVAB, die u.a. auch gern mit GM-Aktien spekulierten, zurückgezogen. Es blieb von all der Aufregung nur das streng geheim gehaltene dreizehnseitige Informationsmemorandum vom Dezember 2001 in den Akten, das auf seiner letzten Seite die vermittelten Umsätze bis ins Jahr 2006 voraussah, samt jährlicher Wachstumsraten von 11,4 bis 21,7 Prozent.

Da es innerhalb der Genossenschaft immer noch Überlegungen gab, ob es nicht besser sei, eine Plattform, die sich bereits am Markt etabliert hat, zu übernehmen oder mit ihr zusammenzuarbeiten, wurden Verhandlungen mit Herrn Zeisig von → Antbo geführt, die sich aber nach einigem Hin und Her als unfruchtbar erwiesen.
Geraume Zeit nach der Genossenschaftsgründung, im Frühjahr 2005, ging die Plattform der GIAQ, → Prolibri (bitte hier keine Bemerkungen mehr über diesen Kunstnamen und seine evtl. Abstammung aus dem Latein!), ans Netz.
Anfangsschwierigkeiten, wie z.B. ein zu kurzes Titelfeld – an Barockbücher hatte man einfach nicht gedacht – wurden aus dem Weg geräumt. Das Aufspielen der Daten ist, hat man erst die kompliziert zu bedienende Steuerdatei angelegt, einfach, schnell und komfortabel, die dem Antiquar möglichen statistischen Auswertungen sind hervorragend, die Bilddarstellung ebenfalls zu loben.

Trotzdem dümpelt Prolibri seit Beginn am Rande des antiquarischen Geschehens herum, als seien die Claims unveränderlich abgesteckt. Die Betreiber sind meist sehr empfindlich, was selbst konstruktive Kritik betrifft; klar, sie haben einiges aushalten müssen, aber das ist nun einmal so im Geschäft. Auch die Besatzung des ZVAB hat einiges und einiges mehr einstecken müssen.

Soweit es mich betrifft, finde ich Prolibri einfach lustlos, die Farben der Oberfläche deprimieren meine Augen und Sinne, die Suchmöglichkeiten sind jene, die es überall gibt – auf den ersten, den wichtigsten Blick ist nichts vorhanden, was einen Benutzer diese Plattform vorziehen lassen könnte. Die stets von den Apologeten angeführten Besitzverhältnisse sind dem Sucher, der seine Bücher finden, oder dem sich umschauenden potentiellen Kunden, der stöbern möchte, womöglich gleichgültig.
Und daß jemand 2008 Ehrenantiquar geworden ist – das ist nun, bald ein Jahr später, so obsolet, wie es nur sein kann. Wenn es keine Neuigkeiten gibt, sollte man auf die Erwähnung des Immergleichen verzichten, es schonte die Augen, die im Netz eh zuviel Unnützes erblicken müssen.
Entweder findet eine Generalüberholung Prolibris mit völlig neuen Funktionen statt – oder diese Plattform wird weiter dort dümpeln, wo sie jetzt ist, bei einstelligen Prozentanteilen des Umsatzes.

Die Einzigartigkeit einer Plattform muß dem Benutzer auf den ersten Blick einsichtig werden; ihre Benutzung sollte im Idealfall ein angenehmes, vielleicht sogar freudiges Gefühl bereiten, denn der zukünftige Kunde, so er denn einer werden möchte, muß – ja muß! – die Begeisterung der Betreiber ebenso wie die der Antiquare spüren: die Begeisterung, genau diesen Handel zu betreiben, gingen auch die ganze Welt und Zeit unachtsam daran vorbei, denn hier stehen wir und unsere Bücher, schön und gelehrt wie sie sind, und wir wollen nichts anderes!

Denn, wenn die relativen Umsatzanteile des ZVAB noch weiter zurückgingen, dann zugunsten der ausländischen Plattformen wie Ebay und Amazon/ABE. Und das genau ist die Entwicklung, die ich am meisten fürchte, weil in diesem schlechtesten aller möglichen Fälle unser Einfluß noch wesentlich weiter schrumpfte, praktisch gegen Null tendierte.

Es gibt, ich plädierte bereits vor Jahren dafür, bei all dem noch eine Position, die ich bei mir die ‚franziskanische’ genannt habe: niemand muß die Kirche besitzen, um darin zu predigen, es reichen Einfluß oder ein Nutzrecht.
Eine Berufsorganisation der Antiquare sollte sich auf die Interessenvertretung gegenüber Dritten beschränken: günstige Verträge mit Druckereien für den Katalogdruck aushandeln, dasselbe fürs Verpackungsmaterial tun, die Provisionen mit den Plattformen, die Gebühren mit den Messeveranstaltern aushandeln und was dergleichen mehr anfällt.

[Das ist eine vorläufige Fassung, mir wird mit Glück noch einfallen, was ich gröblich fortgelassen habe, spätestens, wenn ich darauf hingewiesen werde; anderes wird neuer Formulierung bedürfen, sei’s drum.
Am Nachmittag einige Daten hinzugefügt.]

Sinnbilder des Antiquariats

18. April 2009

In einem → Blog, das keines sein möchte, finde ich folgende Verse:

„Zur aktuellen Plattform-Diskussion:
‚Leben – einzeln und frei wie ein Baum
und brüderlich wie ein Wald,
das ist unsere Hoffnung.’
Nazim Hikmet“

Der Wald hier ist meist etwas eintönig, zuviele Kiefern; Sturmschäden haben ihn in den letzten Jahren ausgedünnt, und die Wildschweine, die sich großer Kinderschar erfreuen, legen die Baumwurzeln frei.
Irgendwie auch ein Bild des Handels mit antiquarischen Büchern.

Noch eine platte Form aufmachen?

16. April 2009

Es scheint immer noch nicht in manchen Betreiberkopf gelangt zu sein, daß es nicht um die Anzahl der Plattformen geht, noch um neue, sondern darum, daß die meisten unserer deutschen bloß ZVAB-Klone sind. Langweilig.

Die letzte größere Neuerung, Biblioman-Bücherdaten nach Ebay zu überspielen, scheint mir ein Werbegag – nur: wem nützt es? Hat Ebay diese Hilfe wirklich nötig?

Ideen her! Und die bereits vorhandenen umsetzen, besser werden als die amerikanischen „Vorbilder“ – das meine ich.

Nachtrag:
Damit ich nicht mißverstanden werde: es gibt m.E. genug Plattformen. Eine neue ins Netz zu stellen sehe ich als Verschwendung von Mitteln.
Die vorhandenen – soweit es ihnen möglich ist – sollten besser werden, um den Vorsprung von Ebay, Abe, Amazon zumindest aufzuholen, noch besser: sie mit eigenen Ideen wenigstens partiell überholen.
Sonst sieht es hier in ein paar Jahren schlecht aus, dann werden die deutschsprachigen an den Rand gedrängt sein, und die Antiquare von den amerikanischen Plattformen abhängig.

Was ist eigentlich Öffentlichkeitsarbeit?

15. April 2009

Vor einigen Wochen setzte der Server aus, auf dem die Seiten von Kistemann, Tasbach und mir ihren Unterschlupf gefunden haben. Zum Glück brauche ich mich darum nicht zu kümmern, da Herr Schnellbacher dies übernommen hat. Der verwandte den Vormittag und einen Teil des Nachmittages darauf, die Herrschaften beim Provider zu einer sinnvollen Reaktion zu bewegen. Erstens, es ist nicht der billigste Provider, zweitens, es ist nicht bloß unser Server dort, sondern noch einige mehr, die Herr Schnellbacher (gut) betreut. Schätze, wir werden irgendwann wechseln, falls es um diese Angelegenheit nicht ebenso bestellt ist wie um die DSL-Anbieter (darüber erstmal hier nichts…).
Selbstverständlich telephonieren wir bei solchen Gelegenheiten sofort miteinander: Öffentlichkeitsarbeit im äußerst bescheidenen Rahmen. Wir gehen ehrlich miteinander um, denn wir kennen uns alle schon viele Jahre.
Darf ich sagen, daß ich die Öffentlichkeitsarbeit der meisten Plattformen als dilettantisch empfinde? Die einen werben für sich, was das Zeug hält, aber bei mir kommt das an, als wollten sie Mitleid erheischen: Vorzüge sind Vorzüge; gute, übersichtliche Oberfläche ist genau das, was zu sehen ist; Innovationen sind das, was mich überrascht, weil ich daran noch nicht gedacht habe. Also dann los!
Bei einer anderen habe ich stets den Eindruck, als würde ich für etwas minderbemittelt gehalten, als teilte man mir nicht alles mit, sondern nur die Schokoladenseite. Technik ist einfach Technik, das sind keine „unvorhersehbaren Probleme“, sondern Ausfall von unwilligen Computern, Festplatten, Programmfehler. Genau dies will ich wissen, denn ich bin mündiger Kunde, habe selbst schon, s.o., mit schlechtem Provider-Service zu tun gehabt, selbst neulich eine Klammer beim Programmieren vergessen und dafür eine abstrafende Fehlermeldung erhalten.
Eigentlich nehme ich die meisten deutschen Plattformbetreiber als verschlafen wahr, Vorschläge wandern, wenn sie denn wahrgenommen, vielleicht sogar beantwortet werden, auf eine Liste abzuarbeitender Punkte, also etwa kurz vor oder nach St. Nimmerlein auf dem Terminkalender. Aber im Grunde meint man, die Dinge besser zu verstehen, als es die Kunden – Altbuchhändler, bleib bei deinem Leisten! – je vermöchten. Und überhaupt, hat man nicht die und die Super-Werbeagentur beschäftigt, jene Umfrage nach den Kundenwünschen (oh, diese Fragen!) abgehalten?
Daß die Antiquare, selbst wenn sie (lieb ausgedrückt) bisweilen etwas eigenwillig sind, einen Wissensschatz bergen, der nur angezapft zu werden brauchte, könnte das langsam in die Ganglien der Plattformbetreiber sickern?

Ach, diese Plattformen

14. April 2009

„Leider musste das NN (eine Plattform, RFM) aufgrund unvorhersehbarer Probleme und daraus resultierender dringender Wartungsarbeiten am Samstag, den 11. April, von 22.14 Uhr bis 23.35 Uhr, und von Sonntag, den 12. April, 22.08 Uhr, bis Montag, den 13. April, 11.41 Uhr offline genommen werden. Unsere Techniker haben den Fehler über das Osterwochenende behoben, so dass das System inzwischen wieder in Betrieb ist. Es ist allerdings möglich, dass es im Laufe des heutigen Tages noch kleinere Beeinträchtigungen im Ablauf und der Verarbeitungsgeschwindigkeit gibt.“
Immer, wenn ich ein Schreiben wie dieses erhalte, muß ich mich sehr zurückhalten.
Wenn die Antiquare nun auf Web 2 setzen müssen, dann ist das durch eben diese Plattformen bedingt: sie haben sich von der technischen Entwicklung und den gestalterischen Möglichkeiten überholen lassen.
Nur ein paar Punkte:
Kundenbindung gleich Null. Jeder hiesigen Plattform kam es einzig darauf an, viele Bücher in sich zu versammeln und die über ihren Warenkorb zu manövrieren. Daß Kunden Antiquare vorziehen, mit denen sie ein- oder mehrmals gute Erfahrungen gemacht haben – wer dächte soetwas?
Also, all die schönen Möglichkeiten wie eigener Laden in der platten Form, Rundschreiben zu Sonderangeboten, Neuerwerbungen, Katalogen und Listen etc. das gibt es – aber nicht hierzulande.
Man sollte Zitronen ausloben als Preise für Innovationsfeindlichkeit.
Was blieb den Antiquaren anderes übrig, als sich auch im Netz mit eigener Präsenz selbständig zu machen?

Nachtrag: Zersplitterung im Netz?
Die begann bereits, als sich mehr als eine Plattform mit antiquarischen Büchern im Netz zu tummeln begann, eine klonte die vorhergehende, die nächste diese – und, fragte man mich, ich hätte Mühe, die Anzahl all dieser platten Formen des deutschsprachigen Raumes auf Anhieb zu nennen.
Anfangs war es sicherlich teuer und für die Programmierer aufregend, aber nun?
Was also sollte denn noch zersplittert werden, das es nicht bereits ist? Die Kollegen – jene mit größerem Angebot eher als die mit erlesenem – stellen meist auf n Plattformen ihre Bücher ein, führen Statistiken, welche Sorte Buch wo am besten zu verkaufen ist, welche Plattform am meisten umsetzt, wie sich die Provisionen dazu verhalten, u.s.w.
Nur mit Orangen zu handeln wäre aufregender, die sind nach ein paar Tagen falscher Lagerung ungenießbar, Bücher sind geduldiger.
Eher würde ich eine Umbruchphase erkennen: viele Aktivitäten, von denen einige sicherlich versanden werden – aber vielleicht entsteht etwas Neues, Brauchbares aus dem kleinen, noch recht übersichtlichen Chaos der Zersplitterung im Web zwonull.

Normierung versus Individualität

12. April 2009

Nochmals zu den Plattformen: sie sind normierend – gewesen und immer noch. Sie geben den bei ihnen Bücher einstellenden Antiquaren Anzahl wie Reihenfolge der Datenbankfelder vor, selbst auf den Inhalt der Felder nehmen sie gleichmachenden Einfluß. Vor Internetzzeiten war das Antiquariatsgewerbe zwar nicht anarchisch, aber den persönlichen Präferenzen blieb ein gewisser, relativ großer Spielraum offen, solange der Händler von seinem Kunden verstanden wurde. Auch sind die Ansichten der Plattformbetreiber meist fachfremd, ein treffendes Beispiel sind die Kategorien des Zvab, die nichts, rein garnichts mit antiquarischen Büchern zu tun haben.

Selbst die Darstellung der Suchergebnisse ist dem Inhalt unangemessen, zum einen, da es unmöglich ist, billige Gebrauchsbücher, wissenschaftliche Werke, bibliophile Kostbarkeiten und frühe Drucke über einen Leisten zu scheren, denn jedes von ihnen hat seine besonderen Anforderungen an die Darstellung auf dem Bildschirm oder im Katalog. Um nur einige der von mir intendierten Kriterien zu erwähnen: Textlänge, Umbruch des Textes, Hervorhebungen, Darstellung der Bilder. Zum andern, weil sich in jeder größeren Datenbank genügend Datenmüll befindet, der eine längere Ergebnisliste aus reichlich disparaten Einträgen zum unerfreulichen, zeitraubenden Anblick degeneriert.
Leider hat sich mit den sinkenden Niveau der Kommunikation auch eine gewisse Hilflosigkeit verbreitet: man steht der Zukunft unsicher gegenüber: soll man nun ‚mit der Zeit’ gehen und an allem, was das Internetz bietet, teilhaben – oder nur an einigem, den Rest, Twitter zum Beispiel oder alles, was unter Web 2 zusammengefaßt wird, ablehnen?
Denkbar wäre, jenseits der nivellierenden Plattformen, eine wieder größere Individualität jener Antiquare, die auf eben diese noch Wert legen, sei es aus persönlichen Gründen, sei es ihrer Ware wegen, und die sich zwecks dessen auf ihren eigenen Seiten der Möglichkeiten bedienten, die Technik wie Kommunikation im Netz dafür bieten, um gleichzeitig mittels der modernen Verständigungsformen eine neue Gemeinsamkeit, eventuell eine gemeinsame Basis zu erschaffen.

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